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Bild Gisela Steineckert

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... und mittendrin das dumme Herz
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Bibliografische Angaben
Verlag Das Neue Berlin, Berlin • 1. Auflage, 2005 • 160 S.; broschiert, 21x12,5 cm • ISBN 3-360-01269-0 • 9,90 €

Schlagworte: Gedichte, Liebe, Leben

 
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Klappentext

Gisela Steineckert, geboren 1931 in Berlin, wo sie als freischaffende Schriftstellerin lebt und arbeitet.

Welche Augenblicke des Lebens prägen sich in der Erinnerung ein, welche machen mutig, welche drängen schmerzlich hervor? Und warum wird all unser überlegtes Tun fragwürdig, wenn nicht das Herz mitspricht? In ihren Gedichten und Liedern schreibt Gisela Steineckert über Glück und abschiede, Suche und Beständigkeit, über die ganze wunderbare Welt des allesumfassenden Gefühls der Liebe.

 
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Leseprobe

Mein Herz ist noch immer
offen für das meiste
für Freunde
bei denen ich mir Hoffnung leiste
noch immer für einen Beginn
Treue und lange Dauer

streckt es mich hin
steh ich wieder auf
auch wenn ich unsichrer lauf

nur nicht sein wie kurz vorm Ende
sondern wie in goldner Mitte
kein Anspruch auf Liebe
aber was noch zählt ist dies Bemühn
ist diese Bitte

 
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Rezensionen

Neues Deutschland, 6. Oktober 2005

Gisela Steineckert erzählt in Liedern Geschichten
"Also Weiber, machen wir weiter"

Von lrmtraud Gutschke

Jemand sein/ der die Worte findet/ die dem andern fehln" - den Wunsch hat sie sich erfüllt. Nicht nur Frauen kommen zu ihren Lesungen, auch Männer, die sich nicht länger gegen ihre Gefühle vermauern wollen. Gefühle - darum geht es immer in Gisela Steineckerts Texten. "Liebe, purpurrot" - wer meint, durch eine solche Formulierung würde heutige Lyrik zum Kitsch, der kann das wohl begründen und wird genügend Texte finden, die seinen Anforderungen genügen. Das sind aber dann Gedichte für kleine Leserkreise - etwas völlig anderes als Gisela Steineckert es will.

Sie sucht die Verständigung mit sich und mit vielen. Also nutzt sie eine Formensprache, die sie nicht eist neu erfinden muss. Mitunter greift sie sogar direkt auf den Duktus bekannter Gedichte und Lieder zurück, um das, was ihr als etwas Ureigenes wichtig ist, für andere eingängig zu machen. Da klingen Goethe an und Heine, Claudius und Eichendorff, auch Brecht, Ringelnatz und die Lasker-Schüler dürfen nicht fehlen. Melodien drängen sich auf beim Lesen, die meisten Texte sind ja Lieder. Einige wurden auch schon von Veronica Fischer, Jürgen Walter, Angelika Neutschel, Gabi Rückert gesungen. Die meisten aber sind neu, warten auf Komponisten, und das gewiss nicht vergeblich. Gisela Steineckerts Erfolgsrezept: Sie erzählt Geschichten, in denen sich Zuhörer wiederfinden können und hilft ihnen dadurch aus ihrer Sprachlosigkeit. Denn trotz des allgemeinen Stimmengewirrs, in dem wir uns befinden: Mit dem, was ihn am meisten bewegt, ist der Mensch meist allein. Allein in seiner Verletzbarkeit, ausgeliefert einem Chaos von Gefühlen, geängstigt vom Vergänglichen allen Lebens.

Gisela Steineckert taucht in den Urgrund gemeinsamer Erfahrung: Es gibt nichts Neues unter der Sonne, auch wenn es der einzelne neu erlebt. Da ist der "blödeste Mann", der dem Stuhl noch vier Beine abgesägt bat, bevor er ging. Da ist ein anderer, von dem es heißt "wilde Blumen hast du gepflanzt". Da sind zwei, die "saßen im selben Boot und konnten den Himmel nicht lesen". Da ist eine Frau, die "barfuss durch ein Feuer" geht, und eine andere hat "die Liebe fortgeschickt/ die kostet Zeit und Geld". Wieder eine andere - oder ist's die gleiche - möchte sich noch einmal fühlen "so leicht wie ein Vogel ins Sommerblau fliegt".

Gisela Steineckert schreibt in der Ich-Form. Kann einer Frau, auch wenn sie Jahrgang 1931 ist, denn so viel Verschiedenes geschehen sein. Nein, manches ist ihr auch zugetragen worden. Denn das passiert ihr oft: Wer mit ihr über ihre Gedichte spricht, will sie oft als Zuhörerin für das, was ihn selbst bewegt. Und da hat Gisela Steineckert eine heutzutage seltene Eigenschaft: Sie weist fremdes Leben nicht ab. Sie verschließt sich nicht, um sich zu schützen, sondern schützt sich, indem sie sich öffnet. So flossen ihr eine Menge Erfahrungen zu, aus denen sie schöpfen kann. So lange sie Rat zu geben vermag, wird sie selbst nicht ratlos sein, dachte ich beim Lesen und stellte mir vor, wie sie widersprechen würde: Ach, ratlos sei sie doch allzu oft gewesen. Vielleicht ist es ja das Bekenntnis von Schwäche, das viele dieser Lieder stark wirken lässt. Der Trotz, sich an die Gepflogenheiten nicht zuhalten: "gestern haben wir dieses alte Wort abgeschafft/ heute hole ich es aus dem Wartesaal der ewigen Dinge/ die sich manchmal zurückziehn aus Scham/ oder abgeschoben werden ." Diese Passage stammt übrigens aus einem Gedicht, das sich nicht so leicht singen lässt. Einige Texte hat die Autorin offenbar absichtlich "eckig" gemacht, sie sollten nur ihrer Stimme gehören.

Weibliches Bekennen, das oft mutiger als männliches ist und deshalb mit Abwertung rechnen muss - "Fort mit einem, ... der mich abschob, wenn ich fror/ der mich düster anstarrte, wenn er mich schön fand/ weil es ihn gefährdete/ alles gefährdete ihn immer/ meine Worte, meine Gedanken, meine Brüste ..." Oder, an eine weibliche Adresse gerichtet: "Warum willst du von ihm/ ständig andres als er grade geben kann .../ dir wächst ein harter Unterton ..."

Mut machen will sie: "Wer an sein Hasenherz nicht glaubt, der wird sein Löwenherz nie kennenlernen." - "Also Weiber, machen wir weiter."


 

Pressemitteilung der Eulenspiegel Verlagsgruppe:

Ein neuer Gedichtband von Gisela Steineckert - eine Liebeserklärung ans Leben, ans bunte, schöne, widersprüchliche und manchmal so schwer zu lebende Leben, wie es sich im Miteinander der Menschen abspielt und wie es jedes Individuum für sich leben muss. Vor biographischem Hintergrund kehrt sie an Punkte schmerzlicher Erinnerung zurück oder genießt harmonische Momente, ohne sich an sie zu verlieren. Ihr Blick ins eigene Leben, auf das eigene Verhalten schließt die selbstkritische und selbstironische Befragung genauso ein wie die Offenheit für andere Menschen und anderes Leben. Da gibt es behutsame Näherungen, aber auch entschiedene Ablehnungen. Und auch Ratlosigkeit - und den Mut, solche zu bekennen.

 
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