Banner Startseite

Bild Gisela Steineckert

Buch-Detailseite

 

Das Schöne an der Liebe
Cover
Bibliografische Angaben
Klappentext
Leseprobe
Rezensionen
   
Trennlinie
Bibliografische Angaben

Gebundene Ausgabe
Verlag Das Neue Berlin, 2000 • 168 S.; 21 cm • ISBN 3-360-00937-1 • Pappband • EUR 12,90

Schlagworte: Liebeslyrik ; Anthologie

 
Trennlinie
Klappentext
Das Schöne an der Liebe ist, daß es sie gibt. Wer nicht furchtbar geliebt hat, hat nicht herrlich gelebt. Liebe kann ein Heimweg sein oder in Welten führen, die man besser nicht gesehen oder wenigstens früher verlassen hätte. In der Liebe liegen uns die richtigen Worte auf der Zunge, aber einen Augenblick zu spät heißt, eine Ewigkeit vertun. Wenn wir am Ende unseres Leben zählen, was gezählt hat, dann war in allem Liebe, und ohne Liebe war alles nichts.
 
Trennlinie
Leseprobe
Es gibt eine Mitte im Leben
wo alles noch möglich ist
du kannst dich noch dreimal erheben
wenn du dreimal gefallen bist

Es gibt eine Mitte im Leben
da hilft dir kein billiges Lob
da zeigen sich saurer die Reben
die dir jeder gern rüberschob

Die Liebe verklärt sich, die erste
mehr Arbeit macht die, die dir blieb
die große ist immer die schwerste
da holst du auch Wasser im Sieb

Es hat einen Anfang gegeben
und Ende wird lange Zeit sein
vielleicht kamst du groß in dein Leben
und wenn du mal gehst, bist du klein

---

Wenn du mich geliebt hast
meine Worte dich noch erreichen
gib mir ein Zeichen

lass uns nicht sterben
mit so bösen letzten Worten
im Herzen mit solchen Kerben
vor überwachsenen Pforten

es hat dich weithin gezogen
da geht man gern ohne Gepäck
tu uns nicht wortlos weg
sei mir wieder gewogen

Aus den Augen, aus dem Sinn
aber es war doch
und war doch immerhin

für dich ist die Zeit vergangen
ohne Heimverlangen
aber der Abstand sollte reichen
gib mir ein Zeichen

 
Trennlinie
Rezensionen

Kundenrezensionen bei amazon.de:

Sehr gut gelungen
4. Oktober 2000
Rezensentin/Rezensent: (landskront@aol.com) aus Deutschland

Ich kenne viele Bücher von Frau Steineckert und finde, es ist ein sehr gelungenes Buch. Der Grundtenor ist doch, die Liebe nicht nur zum Mann, sondern zum Leben. Das Leben ist nicht immer positiv und verlangt auch Haltung. Sie hat während der Wendezeit nicht die Augen verschlossen,deshalb findet man auch viel Nachdenkliches. Ihre persönliche Lebenserfahrung spiegelt sich in jedem ihrer Gedichte wider. Was mir nicht so gefällt ist, das vieles nach Abschied klingt. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich annehmen, daß das ihr letzter Band ist, so aber freue ich mich immer wieder auf ein neues Buch von ihr. Wer an diesem Band zweifelt, sollte eine Buchlesung besuchen. Frau Steineckert stellt diese Gedichte nicht nur mit Ernsthaftigkeit vor, sondern auch mit viel Herzenswärme und Humor.

Der Titel ist irreführend
31. August 2000
Rezensentin/Rezensent: (andysoft@fly.to) aus Deutschland

Ich kenne einen älteren Gedichteband von Gisela Steineckert und erwartete eine Fortsetzung in dem selben Stil. Ich wurde bitter enttäuscht. In diesem Buch arbeitet die Autorin ihren Frust über die Ehe, die Wende und die Politik ab. Nach dem Titel hatte ich Romantik und Sinnlichkeit erwartet. Zusammenfassung: Für die Autorin sicher eine Realitätsaufarbeitung, aber der Leser wird in einen dunklen Strudel von Hoffnungslosigkeit gerissen. Keine Empfehlung für Suizidgefährdete.

junge welt, 18. Oktober 2000:

Lob des Hochhauses

Ein neuer Gedichtband von Gisela Steineckert

Da heißt es immer, das Hochhaus sei ein höchst unpoetischer Ort, ein Gebäude, in dem keiner den anderen kennt oder gar grüßt, in dem alles genormt und kein Platz für Gefühle sei, es weder Blumen noch Vögel oder Gedichte gäbe.

Alles Unsinn.

Da wohnt im 25. Stock eines solchen Hochhauses eine Hexe, die sich gelegentlich auch als dumme Kuh bezeichnet, offenbar deshalb, weil sie manchmal ihre blödesten Augenblicke, ein andermal das Schöne an den Frauen und jetzt gar das Schöne an der Liebe zum Gegenstand ihrer poetischen Gebilde macht und mit ihrem Tun sozusagen alles widerlegt, was man gegen das Hochhaus vorbringen kann. Nicht daß durch ihre Bücher sich das Hochhaus in ein Paradies alles Menschlich-Liebenswürdigen verwandeln würde - da sei der Realismus der Dichterin vor! - aber daß in einer solchen Behausung schlechtweg keine Dichtung entstehen könnte, der Gegenbeweis ist wieder einmal aufs Nachdrücklichste erbracht.

Das Schöne an der Liebe - uraltes Refugium aller Liebenden - wird also besungen. Ja, in der Tat, besungen. Sie kennen Rossinis Oper »Der Barbier von Sevilla«, mit ihrer überschäumenden Ouvertüre, ihrer Fülle an feurigen Arien und Duetten, deren Melodien einem ins Ohr dringen und das versteinerte Herz in ein lebendig schlagendes verwandeln, mit ihren Schluchzern und Freudeausbrüchen, mit seinen hingeschmetterten Jubelklängen an alles, was das Leben lebenswert macht. Von einem solchen Gefühl wurde ich erfaßt, als ich diese Gisela-Poesien vernahm, durch die sie uns weiszumachen versteht, die Liebe sei eine Menschenmacht, von Menschen gemacht, um als Mensch mit Menschen und ihrer Gesellschaft in den vielfältigsten Formen klarzukommen.

Das Schöne an der Liebe, einschließlich des Schweren, das große Liebe, wie sie selber weiß, immer auch bedeutet und einschließt, wird aber zugleich als ein sehr zeitbezogenes Gefühl dargestellt, wie es aus Zeitungen und Zeitschriften dieser Zeit, in der wir leben, ohne in ihr angekommen zu sein, immer mehr verschwunden ist, wenn es je darin wirklich vorgekommen sein sollte. Diese Hexe, die zugleich eine zauberhafte Großmutter ist, bringt das Kunststück fertig, unser Leben und Lieben als ein stark politisiertes zu empfinden, ohne daß sie uns ständig die Politik um die Ohren schlägt. Und selbst, wenn sie von der roten Rosa dichtet, ist das ein ganz persönliches Bekenntnis, mit aller Klage und Selbstbeschuldigung niedergeschrieben, wie es sich für eine nicht minder rote Gisela geziemt. Ihre Gedichte, für deren Veröffentlichung sie sich nicht beim Verlag, sondern der sich bei ihr bedanken sollte, haben mir an einem Abend und an einem Morgen die Antwort darauf gegeben, warum Zeitungen solche Selbstermunterungen, die zugleich Stärkungen eines anderen sein können, nicht mehr drucken; sie eignen sich nicht zur Rechtfertigung dessen, was die Zeitungen heute hauptsächlich zu rechtfertigen für richtig finden.

Natürlich ist diese Hexe nicht nur eine Hexe, die Verwünschungen wie Heil- und Trostsprüche genügend auf Lager hat, sie ist auch eine Königin von wahrhaft stattlicher Weibsgestalt, die das Rollenspielen wunderbar beherrscht, Kostüm und Maske rasch wechselt, um bald in Reimen, bald in reimlosen Zeilen, in kurzer oder längerer Art von Gedichten ihre Gefühle an den Mann oder an die Frau, an die Kinder oder an die Enkel, verschiedentlich auch an die Mutter und an die Schwester zu bringen. Sie spricht zwar immer nur von sich aus, aber nicht nur über sich, denn sie ist bei aller Selbstbewußtheit doch nie eine selbstische Person: ihr geht das Glück und das Unglück der anderen ebenso an die Nieren wie das eigene. Ihre Gedichte verbinden sie mit uns; was ihr widerfährt, können wir nachempfinden, denn es betrifft auch uns. Die Dichterin führt uns nicht ihr höchst wunderbares Selbst vor, damit wir sie andachtsvoll bewundern sollen, sie setzt sich in unseren Kreis, und wir verstehen sie, weil sie unsere Sprache spricht. Bei echten Dichtern soll das ja meist so sein. aber so oft begegnen die einem ja doch nicht.

Na so ein Pech. Jetzt wollte ich gerade noch einmal nachsehen, welche der weit über hundert Gedichte mir besonders ans Herz gingen, doch da muß ich feststellen, daß meine liebe Frau den Band bereits an sich genommen hat, bevor sie sich zur Ärztin ins Wartezimmer begab. Also muß ich mich auf mein Gedächtnis verlassen und behaupte: Das Gedicht über Greta Kuckhoff klingt in mir nach, und das, in dem die Dichterin ein paar sehr unsympathischen Zeitgenossen ein paar in die Fresse anbietet, und das, in dem sie von der Dummheit spricht, die an die Macht gelangt, und das von den alten Männern, die einmal über sie verfügten. Und dann natürlich die beiden Gedichte, die von dem Schönen an den Frauen handeln. (Einige ihrer Geschlechtsgenossinnen und auch einige vom anderen Geschlecht werden sich besonders vom ersten auf die Zehen getreten fühlen, was ihnen recht geschieht.) Und wenn ich mir vorstelle, wie die Gisela diese und andere Gedichte vortragen wird, habe ich noch einen zusätzlichen Genuß, denn diese Dichterin ist auch eine sehr überzeugende Vorträgerin des Selbergeschriebenen. Neidisch aber bin ich nicht nur darauf, daß ich solche Herz und Verstand bewegenden Kunstgebilde nicht hervorzubringen vermag, neidisch könnte ich auch auf den Mann sein, dem dieses Gedichtbuch gewidmet ist - wenn der nicht auch mein Freund wäre.

(Armin Stolper)

Neues Deutschland, 17. Oktober 2000:

Gisela Steineckert: "Das Schöne an der Liebe"

Du und Du und Wir?

Das Gespinst der Träume, die Schwermut der Sehnsucht, und der Leichtsinn des Glücks, die Lust der Berührung und die erschöpfte Geduld - all das ist das Schöne an der Liebe und noch viel mehr und immer Neues. Gisela Steineckert hat seit Jahrzehnten in ihren Ge­dichten davon geschrieben, davon, das Unsagbare sagbar und vor allem singbar zu machen.

Der neue Band versammelt Texte, die in ihrer eigenen Tradition stehen und doch auch andere Töne anstimmen. Zum Augenblick, der zum Fest der Sinne wird, kommt der Alltag, das Ge­wöhnliche, das Banale. Und es zeigt sich, dass auch all dies kostbar ist für die innige Beziehung zweier Menschen. Ein fast episches Gedicht, in dem eine Frau über ihren Mann Johannes schreibt, im Urlaub an der Costa del Sol: Es ist schon was wert, den Gatten zu haben und nicht geschieden zu sein.
Da reden die Gedichte eben auch von den Kosten, die das "gewendete" Dasein von der Liebe fordert. Über allem ein Hauch Melancholie, die "Rechnung" von Gewinn und Verlust ist längst nicht so eindeutig, wie verkündet.

Gisela Steineckerts Poesie hat an Direktheit gewonnen und lyrische Melodik abgegeben. Der Volksliedton findet zum Rap. Freilich, da ist der Nachklang von Goethes "Über allen Wipfeln ist Ruh", vom aufgegangenen Mond des Matthias Claudius, doch das Sprechen wird aggressiver, resignativer auch, leiser; dennoch gewinnt es an Kraft und Eindringlichkeit.

Die Steineckertschen Gedichte kommen aus dem Leben und helfen zu leben. Sie sprechen von weiblicher Hingebung und weiblicher Bosheit, von männlicher Pose und ihrer Erbärmlichkeit. Alles was ist, muss gemacht werden. Darüber redet Gisela Steineckert, sie nimmt wahr, mit seismographischer Empfindlichkeit, was sich verändert hat und was sich ewig gleich bleibt. So kann nur eine Frau schreiben. Die sagt mehr, als sie weiß, weiß mehr, als sie sagt. Wie die Poetin den Reim verwendet, gibt Hinweis darauf, dass sich auf vieles kein Beim mehr machen lässt. Das Wort "Hass" kommt häufig vor. Es ist nicht geistige Prämisse, es unterläuft, weil es sich hinter der Oberfläche festsetzt, ein Gefühl hinter dem Wort, das im Gesellschaftlichen wie im Privaten "zu Hause" ist. Wer den Band durchliest, wird spüren, dass Liebe das Ich und das Du und einen Lebensraum braucht.

Kann sein, dass Leute böse sind, wenn sie lesen müssen; "Deutschland ohne Mauer / schafft neue Trauer". Wer's verstehen will, alte Trauer gab's schon.

(Gerda Kraft)

Lausitzer Rundschau, 16. September 2000:

Wenn wir nicht selber tanzen...

Gisela Steineckerts neuer Gedichtband: „Das Schöne an der Liebe", Lust und Atemnot

Dem Schönen an den Frauen ließ nun die Berliner Schriftstellerin Gisela Steineckert „Das Schöne an der Liebe" folgen. Gerade, weil sie sich mit dem Weiberkram so gut auskennt, weiß sie, dass die Liebe das unentbehrlichste aller Gefühle ist, für Frauen und für Männer ebenso. Denn ohne Liebe werden die Dinge nicht menschlich, und schaut man zurück: Ohne Liebe war alles nichts. Wenn wir am Ende zählen, was gezählt hat, dann war sie es.

Wo aber könnte man der Liebe besser Flügel wachsen lassen als in Gedichten? Dennoch dankt sie ihrem Verlag „Das Neue Berlin", dass er sich traut, in dieser Zeit Gedichte zu drucken. Und die Leserinnen und Leser werden es der Schriftstellerin danken, sie geschrieben zu haben. Denn in dem Gedichtband geht es beileibe nicht nur um die Beziehung zweier Menschen. Auch darum, gewiss: Um Sehnen und Begehren und die verfluchte Lust, um Jammergräser und Februarwerben, schwingendes Dämmern und Nägel der Reue, die ein Bett durchbohren. Erinnerungen auch an ein krauses Gefüge, die Hälfte war Lüge. Und der Eifersüchtigen hält sie den Spiegel: „Du sprachst über sie wie eine Milbe, von deinem Gefühl für ihn aber keine Silbe."

Ihre Gedichte sind voller Poesie und Wärme, aber ganz und gar nicht der Wirklichkeit entrückt. Und versucht jemand davon zu schweben, so wird er ganz schnell von der Realität wieder eingeholt. Da reißt sie das Blatt aus dem Poesiealbum, um den alten Mädchen ein Lied zu singen: „denn wie das Veilchen im Moose, wollte sie keinem sein, so blieb sie die stolze Rose lieber und leider allein."

Behutsam erzählt sie von der Mitte im Leben, von dem Versuch, Wasser im Sieb zu holen, von der unbändigen Lust, die Karten noch einmal neu zu mischen, und auch darüber, wie das Sterben das Herz zu einem Fächer faltet.

Eine sehr private Zwiesprache, die aber weit darüber hinausgeht. Denn sie liest auch aus den Leviten der klugen verbannten Kinder, der Widersacher, Schwierigen, Lacher, der Unglatten und Dornenreichen. Sie spürt dem Atem der Zeit nach und der Atemnot: einem miesen Zuhause, das doch Wärme gab, der Mittelmäßigkeit an der Macht, dem gerupften Vogel Freiheit, gespaltenen Zungen...

Und sie sagt dennoch trotzig: Lach nur, mein Leben! Weiß dabei aber längst: „Wenn wir nicht selber tanzen, wird es niemand für uns tun. Also Tochter wart' nicht, bis dich wer zum Tanzen holt." Das Schöne an der Liebe gibt es doch gar nicht ohne das Schöne an den Frauen. Und das hielt Gisela Steineckert durchaus für ausbaufähig. „Mein Leben als Frau begann mit der Streichung des Satzes: Davon verstehst du nichts."

(Ida Kretzschmar)

 
Trennlinie