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Für Frauen ist Krieg im Land. Texte
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Bibliografische Angaben
Gebundene Ausgabe
Verlag Neues Leben Berlin, 1994 • 119 S. ; 21 cm • ISBN 3-355-01439-7 • Pappband mit Schutzumschlag • DM 24.80 • im Buchhandel nicht mehr erhältlich, per Mail bei Gisela Steineckert anfragen!
 
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Klappentext

Gisela Steineckert legt in diesem Buch ihre Erfahrungen im "größer gewordenen Deutschland" offen. Sie schreibt über die irritierte und unbeirrbare Liebe, die Suche nach Halt und Boden unter den Füßen, greift mit scharfem Ton an, was Zusammenwachsen auch bedeuten kann: Wunde und Wuchern an Schnittstellen. Ohne Verklärung der DDR warnt sie ebenso vor Jämmerlichkeit und Aufgeben wie vor Anbiederung an Verhältnisse und Überzeugungen.

Sie zweifelt an Politikern, Sätzen, Siegen - und an sich selbst. Sie glaubt an den notwendigen erwachenden Aufstand der Frauen gegen die männliche Erstgeburt. Sie sagt, was und wie sie es sieht. Das wird sie bei vielen sehr unbeliebt machen, und andere werden sie dafür lieben.

 
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Leseprobe
Wir benutzen die alten Wörter
und mischen dazwischen die neuen
wir kennen nicht mehr dieselben Leute
und wenn doch, haben wir Grund, uns zu freuen

wir essen anders
viel mehr Obst und Gemüse
wir gehn anders zum Arzt
der behandelt uns jetzt eine Drüse
die haben wir gar nicht gekannt
zögernd legen wir in der Apotheke
für dreimal eingepackte tausend Tabletten
das Geld aus der Hand
wir steigen abends anders in die Betten

du mußt sehr gut überlegen
ob du dir einen nimmst
der keine Arbeit hat oder ein anderes Leiden
jetzt, wo du vom Therapeuten her
ganz anders stimmst
kanns vielleicht nix werden mit euch beiden
man läßt auch nicht mehr jeden
mit seinen Dreckpfoten in die Stube
der will ja bloß über sich reden
aber der spielt sich auf, der fährt nicht in die Grube

Wir sind jetzt hübscher, die meisten
angezogen, frisiert, wir können uns
bessere Zahncreme leisten
und ein gutes Ferienhotel vom schlechten Domizil
können wir irgendwie unterscheiden
aber wir können auch ungeahnt tief
und ehrlich, ehrlicher leiden

---

Rühme mich nicht
mich kann niemand mehr wie als Kind bedrohn
ich mach nur, was mir Lust bereitet
bin also eine faule Person
die sich bis aufs Messer streitet
aber was passiert mir schon
was ich nicht wiedererkenn
Es ist mir zugewachsen
daß ichs beim Namen nenn

ich bin deutsch und also penetrant
das schminkt sich nicht aus dem Gesicht
also rühme mich nicht

---

Ehe der Krieg beginnt
kannst du ihn sehn
du siehst den Krieg entstehn
sobald die Fahnen sich zum Wind hin drehn
wenn die Leute stiller in ihre Häuser gehen
die Mütter greifen anders nach dem Kind
ehe er beginnt
riechst du den Krieg im Wind

Und das Korn auf dem Halm
und die Hoffnung im Leib
und das Leben verdirbt
wenn eine Stadt wie Sarajevo stirbt

Ehe der Krieg beginnt
wird vorher das Volk vermint
damits die Feinde schlagen muss
das wär der eignen Armut Schluß
wenn keins sich keines mehr erbarmt
sich nur noch im Todestanz umarmt
dann riechst du den Krieg im Wind
ehe der Krieg beginnt

Und das Gras früh im Jahr
jeder Baum, der dort war
und das Leben verdirbt
wenn nur eine Stadt wie Sarajevo stirbt
 
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Rezensionen
 
 
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