Banner Startseite

Bild Gisela Steineckert

Buch-Detailseite

 

Platzhalter
Die Schönen und die anderen Frauen
Cover
Bibliografische Angaben
Klappentext
Leseprobe
Rezensionen
   
Trennlinie
Bibliografische Angaben

Taschenbucherstausgabe:
Heyne Verlag, München, 2001 • 254 S.; 18 cm • Gesamttitel: Heyne-Bücher: 01, Heyne allgemeine Reihe; Bd. 13505 • ISBN 3-453-19118-8 • kartoniert • EUR 6.95


Schlagworte: Frauenerzählung; Anthologie

 
Trennlinie
Klappentext
"Frauen sind ganz und gar, oder gar nichts. Auch das ist das Schöne an ihnen.
Sie sind die Knospe, das Früchtchen, die Begehrliche, die mit der verruchten Phantasie, gleichwohl vom Einzigen träumend.
Sie schlagen sich durch, krabbeln wieder hoch, halten stand, stecken ihre Niederlagen unter die Triumphe, auch wenn das eine wie das andere nicht von Dauer ist."
 
Trennlinie
Leseprobe
Lieber Mann

Männer sind Wesen, die ich für sehr wichtig halte. Nicht immer für nützlich. Männer sind klug. Viele von ihnen wissen alles, und fast jeder weiß alles besser.

Männer wecken, was in uns steckt. Die Freude am Frühling, die Freude an uns selber und Mordgelüste. Ach ja, manchen hätte ich umbringen sollen. Aber ich habe es nicht getan, und er hat dieselbe Handlung an mir auch hinterlassen. Er hat nur bis zu Ende an dem Ast gesägt, auf dem ich saß.

Stehaufweibchen überleben das. Aber gewiss ist in mancher Situation in mein aktuelles Sprachporträt die abgestufte Wertschätzung des Mannes eingeflossen. Ich bewundere Männer. Sie haben etwas ungezwungen Absolutes. Uns übernehmen sie wie ein Grundstück, das von nun an in ihre persönliche Pflege übergeht. Wie einen Wertbrief, den sie Schatz nennen und von dem vielerlei Art von Zinsen erwartet wird.

Ein Mann strengt sich sehr an, um sich so zu verhalten. Er weiß nicht, dass er so ist. Aber er kennt viele Männer, denen er das nachsagt.

Über die redet er nicht freundlich.

Männer haben Angst. Das meiste von ihrem Mut brauchen sie, die Angst nicht zu zeigen. Dabei möchte ich mir ihrer großen und kleinen Angste sicher sein können. Die Angst an einem Mann scheint mir so natürlich wie das Fell an einem Affen. Wie sollte er nicht Angst haben? Andere und dieselbe wie ich?

Vor Männern, die sagen, dass sie keine Angst haben, habe ich Angst. Ich denke, dass sie Tigerzähne haben, oder Piranhas sind.

Freilich, Männer im Auto sind umzingelte Krieger, durch Lenkrad und Gaspedal gebunden an Händen und Füßen. Aber da kann man sehen, zaubern gilt nicht, sonst würden ja alle anderen Idioten in Erdspalten verschwinden.

Männer haben große Lust zum Basteln. Besonders am Weiterleben der Menschheit, an der Beschaffenheit des Planeten. Deswegen suchen sie mit großer zahlenmäßiger Überlegenheit ihres Geschlechtes für uns nach außerirdischen Wohnungen. Dabei werden sie schwerelos.

Auf der Erde ist das nicht so. Da müssen sie, statt sich zu Gruppenfotos zu stellen, was natürlich weit häufiger vorkommt, auch schon mal Kartoffelnetze tragen und an unserem Charakter.

Wie leicht zu bemerken war, rede ich von einer Epoche in der zurückliegenden Geschichte der Menschheit. Von der Zeit, als ich jung genug war, eher ohne mich als ohne den Mann an sich leben zu können. In Briefen, die ich zu meinem Verständnis schrieb, kamen solche Sätze vor wie:

Ich kann ohne dich nicht leben.

Nicht gesagt habe ich: Ich möchte mich dir schenken. Dieser Satz kam mir kitschig vor. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nicht doch, einmal würde schon reichen, so verhalten habe.

Wenn mir ein Mann begegnete, war er schön, geistreich, gebildet, spontan, sinnlich, empfindsam, verträumt, hilfsbereit und veränderungswillig.

Er war schön.

Seiner Schönheit tat ich Abbruch durch einen Ausbruch meiner Kochlust.

Aß er nicht, war ich nahe am letzten Seufzer. Wem es bei mir nicht schmeckte, dem musste es bei einer anderen schon geschmeckt haben.

(...)
 
Trennlinie
Rezensionen
 
 
Trennlinie