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Bild Gisela Steineckert

Presseberichte über Veranstaltungen mit Gisela Steineckert und Veronika Fischer

TLZ.de, 19. November 2006:

Architektur der Rose

"Über die Männer und uns" dachten Veronika Fischer und Gisela Steineckert laut nach im Kultur- und Kongresszentrum.

BAD LANGENSALZA (ter).

Veronika Fischer (55) und Gisela Steineckert (75) zusammen auf der Bühne: Geht das gut? Und ob! Was sind schon Äußerlichkeiten ...

Schon die ersten Sätze der Steineckert zischen wie Pfeile von hinten durch die Kniekehle in die Brust. Manchmal ist es ein kleines Wort, in dem die Schärfe steckt: Der 11. September und alles, "was sich seither erklären w i l l mit ihm". Will!

Ja, kritisch ist diese Frau. Gegenüber anderen - und gegenüber sich selber. Spöttisch-satirisch und gleichzeitig mit einer vieles verstehenden menschlichen Wärme nimmt sie die kleinen Macken und großen Fehler des Mannes neben ihr aufs Korn. "Auch das gehört zu den Dingen, die schön sind an Frauen - dass sie immer mehr wissen, als sie sagen d ü r f e n."

Gisela Steineckerts Gedichte wie ihre Prosa stecken voller geschliffener Aphorismen, ohne dass davon die Poesie erschlagen würde. Als sie lange genug mit kritisch-liebendem, ironischem Blick über die alltäglichen Reibungen mit dem Mann berichtet hat, zu dem sie sich seit 34 Jahren bekennt, wird es Zeit, eine Lanze für die Gleichberechtigung des Mannes zu brechen. Und "das ist gar nicht so leicht durchzusetzen. Vor allem gegen Männer." Überkommene gesellschaftliche Übereinkünfte stellen wahre Gleichberechtigung im täglichen Miteinander immer wieder in Frage. Gisela Steineckert hat eine sanfte Art, das zu kommentieren: "Wir haben das Recht, jeden Mann zu lieben, sobald wir ihn nicht verstehen."

Die Autorin kann scharf um die Ecke denken, treffsicher formulieren. Und sie beherrscht die Rede vor Publikum ganz ausgezeichnet. So erst wird überdeutlich, was beim flüchtigen Lesen ihrer Texte vielleicht unverstanden bliebe. Diese Eindringlichkeit, die mit Agitation so wenig zu tun hat wie Weihnachten mit dem Weihnachtsmann, zieht ihr Publikum in den Bann.

Doch was wäre dieser Abend ohne Vroni gewesen? Die Menschen sind gekommen, um sie singen zu hören. Trotz Play-back kommen sie voll auf ihre Kosten. Zart, träumerisch, leidenschaftlich, kämpferisch ist dieser Gesang. Einschmeichelnd bis schneidend scharf die Stimme, immer ganz nah am Wort und seiner Bedeutung. Rock? Pop? Chanson? Volksliedhaftes? Blues? Alles. Ohne Brüche zu einer ganz neuen Einheit verwoben. Jedes Lied hat sein musikalisch Unverwechselbares, und doch ist es zugleich echt Veronika Fischer. Und das, obwohl die Musik mal von ihr, mal von anderen Komponisten stammt. Was heißt, dass sie wählerisch ist bei der Wahl ihrer musikalischen Partner. Ihre Lieder gehen unter die Haut; man hat das Gefühl, Urlaub vom Banalen machen zu dürfen. Und blickt auf das wirklich Wichtige. Gisela Steineckert: "Sieh doch für einen Augenblick die Architektur der Rose."

Leipziger Volkszeitung, 28. August 2005:

Fischer und Steineckert verzaubern ihr Publikum

Eilenburg. Viele Besucher der Veranstaltung in der Baderscheune hatten Veronika Fischer und Gisela Steineckert wohl noch von ihrem letzten Besuch vor drei Jahren in guter Erinnerung. Die Baderscheune war am Sonnabend ausverkauft. Die beiden Künstlerinnen traten mit ihrem neuen Programm "Über die Männer und uns" auf. Dabei vereinten sie Lyrisches mit bekannten Titeln der Fischer auf eine Art und Weise, die verzauberte.

"Wir kommen immer sehr gern in diese Gegend", so die Frauen vor der Veranstaltung. Allzu gut konnten sie sich noch an den Zustand der Stadt nach der Flut erinnern. Doch diesmal standen im Programm ganz andere Themen zur Debatte. "Ich schreibe sehr gern für die Vroni Texte und habe so die Möglichkeit, Dinge aus einer anderen, jüngeren Frau heraus zu sagen, was ich sonst nicht könnte", schwärmte die Lyrikerin Steineckert.

Das Thema des Verhältnisses zwischen Mann und Frau wurde während des zweistündigen Programms auf eine sehr unterhaltsame und nachdenkliche Weise erörtert. Die Texte von Gisela Steineckert waren ebenso spitz wie erfrischend und hatten jede Menge Herz. Dies wiederum gepaart mit altbekannten und neuen Liedern der Vroni von "Guten Tag" über "Tief im Sommer" bis hin zur aktuellen CD "Dünnes Eis" rundete das Ganze ab und begeisterte das Publikum. Zugegeben, an mancher Stelle waren es wohl eher die Frauen, die starken Applaus spendeten.

Aber spätestens als Steineckert aufrief: "Schluss mit der Unterdrückung der Männer, für mehr Selbstbestimmung und Emanzipation des starken Geschlechts", waren sie wieder versöhnt. Zum Abschluss legte die Vroni noch mal so richtig los und verzauberte mit ihrer Stimme. Am Ende des Abends waren alle Besucher zufrieden, erst nach zwei Zugaben ließen die Eilenburger ihre Gäste von der Bühne. Demnächst will Fischer mit einem neuen Programm, gemeinsam mit Ulla Meinicke, Angelika Mann und Jacelyn B. Smith durch deutsche Städte touren. Auf ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und die geplante Tournee 2006 können sich Fans schon jetzt freuen.

(Ute Lehmann)

Sächsische Zeitung, 1. Dezember 2003:

Steineckert springt für „Vroni“ in die Bresche

Am Freitag gastierten Veronika Fischer und Gisela Steineckert in der „Scheune“

PressefotoVeronika Fischer und Gisela Steineckert trafen in Ludwigsdorf auf ein interessiertes Publikum. Foto: Rolf Ullmann

"Essen Sie ruhig! Muss ja nicht kalt werden. Ja und Sie, trinken Sie!“, meint Gisela Steineckert. Mit viel Ironie und damit Ihrer Art von Humor erntet Steineckert wieder kräftigen Applaus. Schon am Anfang der Veranstaltung macht sie dem Publikum klar, dass sie eine gute Wahl getroffen haben. Die Alternative wäre sicherlich das Abendprogramm der Fernsehanstalten gewesen. Hier habe man sich aber für die bessere Variante entschieden. Heißt aber auch, nicht rauchen: Für „Vroni“. Mit dieser Bitte von Steineckert an das Publikum hat der Abend in der Scheune des Gutshof Hedicke begonnen.

Für Veronika Fischer springt Gisela Steineckert in die Bresche. So erzählt sie eine ihrer unterhaltsamen Anekdoten bis Speis und Trank verzehrt sind. Dann kann „Vroni“ wieder singen. Denn Respekt hat sie sich allemal verdient. Dabei essen und das Ganze als Löffelmusik konsumieren, ginge nicht. Ihre Lieder sind Lieder zum Zuhören. Keine, die nebenbei mitdudeln. Es geht um Liebe – die Melodien immer melancholisch und oft in Moll gehalten. Ohne Schlagzeug oder hämmernden Bass: nur ein Gitarrist und Pianist – aus der Band Lift bekannt – begleiten sie. Das Publikum genießt, ob der gute bekannte Schlager aus vergangenen Zeiten oder das Neue – aber immer besinnlich. Beides trifft und man mag sich nur Fragen, was das riesige Technikaufgebot am anderen Ende der Scheune soll. Fischers Stimme hat Power und bedarf in solch einem Rahmen keiner technischen Verstärkungen und Halleffekte. Der Techniker nimmt seinen Job ernst, meint es aber im Scherz, wenn er fast jede Bedienung schmunzelnd anfährt: „Sie notier ich mir.“

Immer wieder wechseln sich Fischer und Steineckert ab. Steineckert erzählt ihre Anekdoten, manchmal assistiert von Fischer. „Deutschland sucht den Superstar, kein Schwein ruft mich an“, spielt sie mit der Sprache. Ihre forsche Art zu erzählen macht den Abend spannend. Lockeres Erzählen, ohne an Texten zu kleben, lässt nicht den starren Charakter von Buchlesungen aufkommen. Steineckert und Fischer „sinnieren über ein gemeinsames Buch“. Selbstironie, Satire über Mann und Frau und beide in Gemeinschaft – die Scherze werden am Ende der Veranstaltung die Fans zum Signieren der Bücher „Männer wie Frauen fließen erst hin, danach jubeln sie“ an die Bühne eilen lassen.

Aber bevor es soweit ist, müssen erst zwei Stunden vergehen. Die volle Scheune verlangt lautstark trampelnd Zugaben – mancher sogar mit stehender Ovation.

(René Tzschoppe)

Leipziger Volkszeitung, 16. September 2002:

Veronika Fischer sang noch zwei Lieder extra

Eilenburg. Das hätte sich die dritte von vier Töchtern eines biederen Tischlermeisters aus dem thüringischen Wölfis, einem kleinen Dorf zwischen Gotha, Crawinkel und Oberhof, damals nicht träumen lassen: Aber schon Mitte der siebziger Jahre war Veronika Fischer in der DDR ein Star am Rock- und Pophimmel. Auch als sie 1981 nach Westberlin ging, und sie manche Künstlerkollegen deshalb als Verräterin diffamierten, die Fangemeinde blieb ihr treu. "Vroni" ging ihren Weg, durch manche Höhen und Tiefen. Jetzt ist sie wieder, oder besser gesagt, sie ist immer noch da. Länger als 30 Jahre steht sie mittlerweile auf der Bühne, mal mit Band, mal solo, mal mit diesem, mal mit jenem Partner. Das will in der schnelllebigen und kurzatmigen Musikszene etwas heißen.

Sie sieht immer noch blendend aus, ihre Stimme ist kraftvoll, aber auch weich und biegsam, ihre Texte sind intelligent, ihr Sound unverwechselbar. Vielleicht macht gerade diese besondere Mischung, dass ihr Stern nach wie vor am Pophimmel strahlt. Allerdings, in eine Schublade, in die sie westliche Plattenfirmen allzu gerne einsortieren würden, will sie sich nicht pressen lassen. Ihr Genre ist ein ganz besondere Mischung aus Rock, aus Pop, Chanson, Rockballade, Liedern voll lyrischer Empfindung und eben ihrer eigenen unverwechselbaren Interpretation von alledem. Sechszehn CDs hat sie im Laufe der Zeit produziert, eine siebzehnte ist in Arbeit.

Was sie singt und wie sie singt, das konnten die Besucher am Freitagabend in der Eilenburger Baderscheune erleben. Bekannte und weniger bekannte Lieder waren dabei. "Auf der Wiese haben wir gelegen" zum Beispiel oder "Man nannte sie Madame", "Wenn ich eine Schneeflocke wär" und manches andere. Wer es bis dahin noch nicht wusste - ein Großteil der Liedtexte stammt von der bekannten Lyrikerin Gisela Steineckert. Dass die Musikkritik der "Vroni" anerkennend immer wieder Melodien und Texte voller Atmosphäre bescheinigt, ist auch ein Verdienst dieser 20 Jahre älteren Freundin. Überhaupt Gisela Steineckert: Sie war an diesem Abend - ja was eigentlich? Moderatorin? Talkmasterin? Interviewpartnerin? Verständnisvolle ältere Freundin? Dichterin, die aus eigenen Werken liest? Es war von allem etwas dabei und gerade diese eigene Art, wie die Beiden auf der Bühne miteinander umgingen, machte das Besondere des Abends aus.

Wie aus den Plaudereien zwischen den Liedvorträgen zu erfahren war, waren die Beiden jahrelang umeinander herumgeschlichen. Obwohl Veronika Fischer schon seit Mitte der 70er Jahre Texte Gisela Steineckerts gesanglich interpretierte, waren sie sich stets aus dem Weg gegangen. Nach Veronikas Weggang hatten sie sich zwangsläufig ganz aus den Augen verloren. So kam es, dass sie sich erst nach der Wende persönlich kennen und schätzen lernten. Richtig zu einander fanden die Beiden auch äußerlich so grundverschiedenen Frauen bei der gemeinsamen Arbeit an einem Buch, betitelt: "Diese Sehnsucht nach Wärme", Verlag das Neue Berlin 1991.

Sicher, an diesem Abend schwang auch viel Eigenlob und Selbstdarstellung mit, aber das muss wohl so sein. Reproduzierende Künstler vor allem brauchen nun mal die Bühne, die öffentliche Anerkennung genau so, wie den materiellen Erfolg. Beides sei ihnen gegönnt. Den Gästen gefiel der Abend so gut, dass Veronika zwei Zugaben nachschieben musste, darunter das Lied, das auch einer CD von ihr den Titel gab: "Tief im Sommer".

(Wolfgang Hirsch)

Ostsee-Zeitung, 7. Juni 2002:

Von der Sehnsucht nach Wärme

Viel beachtete Steineckert-Fischer-Lesung in Bad Doberan

Pressefoto

Während der Arbeit am Buch habe die fast 70-jährige Gisela Steineckert (r.) nicht nur der „Vroni“ geholfen ihren Weg zu ordnen. Über sich selbst nachzudenken und in Nostalgie zu schwelgen, begleiteten die Fertigstellung, erzählte die Autorin.

Foto: Dorit Weidlich

Bad Doberan (OZ) Sie sei nicht vor 21 Jahren einfach in den Westen abgehauen. Nachdem Franz

Bartsch, mit dem sie 1974 ihre eigene Band gründete, von einem Konzert in Westberlin nicht zurückkam, war die Karriere der Veronika Fischer im Osten beendet. Keine Angebote mehr und ein Plattenverkaufsverbot. Die Übersiedlung in den Westen wurde für sie lebenswichtig.

Vor 12 Jahren haben sich dann die „Sehnsucht nach Wärme"-Sängerin und Gisela Steineckert gefunden, um ein Buch über das nicht immer ganz einfache Leben der Veronika Fischer zu schreiben. Welche Arbeit und Konflikte hinter den Erfolgen stecken, erzählt die durch ihre Ehrlichkeit bekannte Schriftstellerin. Davon konnten sich 200 Gäste der Fischer-Steineckert-Lesung am Mittwoch in der Kreisverwaltung Doberans ein Bild machen. Sie wurde durch eingespielte Fischer-Lieder umrahmt.

„Die ungewöhnliche Frauen-Kombination hat uns gelockt", gestanden Annett und Steffen Gülzow (35) aus Kühlungsborn. Mit viel Humor, aber auch beißendem Sarkasmus, überzeugte die Steineckert die Doberaner an diesem Abend.

(D. W.)

Ostsee-Zeitung, 27./28. April 2002:

Theaterabend zeichnete Lebensstationen von Veronika Fischer

Beliebte Sängerin schaut zurück

Stralsund(OZ) Es sollte keine Lesung, aber auch kein Konzert werden, kündigte Gisela Steineckert den musikalisch-biografischen Abend mit Veronika Fischer am Donnerstag im Theater an. So wurde es eine Talkrunde mit Live-Musik und Melodien aus der Konserve, aber auch eine Buchvorstellung.

Die gebürtige Thüringerin singt „crossover", wie sie treffend das bezeichnet, was sie macht. Chanson, Rock und Schlager sind die Elemente ihrer Kunst, mit der sie sich in die Herzen einer großen Jüngerschar gesungen hat. Seit nunmehr 30 Jahren tut sie das mit außerordentlichem Erfolg.

Mit dem Buch „Diese Sehnsucht nach Wärme", das die Sängerin gemeinsam mit der Dichterin Gisela Steineckert verfasste, sollte Rückschau gehalten werden auf ein wechselvolles Leben. Das ist beiden Frauen inhaltlich gelungen, auch wenn der etwas konstruiert wirkende Dialog auf der Theaterbühne streckenweise in den betulichen Plauderton eines Kaffeeklatsches abglitt. Am authentischsten wirkte der Abend, wenn Passagen des Buches gelesen wurden. Wie die Anfang der 80-er Jahre verbittert in den Westen ausgereiste Sängerin ihren ersten Fernsehauftritt in der Dresdener Semper-Oper nach der Maueröffnung beschrieb, ging einfach nur nahe. Das saß jedes Wort.

Jede Note passte ebenso, wenn Gitarrist Knut Becker und Pianist Franz Bartzsch Vroni bei alten und neuen Songs musikalisch begleiteten.

(C. Rö.)

Ostsee-Zeitung, 29. April 2002:

Vronis Sehnsucht nach Wärme dauert an

Pressefoto

Nach der Veranstaltung mussten Gisela Steineckert (vorn) und Veronika Fischer jede Menge Bücher und CDs signieren.

OZ-Foto: C. M.

Greifswald (OZ) Veronika Fischer in Greifswald - ohne Zugaben ging da an diesem Freitagabend gar nichts. Zumal Vroni, wie sie nicht nur von Künstlerkollegen, sondern auch ihrem Publikum liebevoll genannt wird, mit großer Besetzung erschienen war. Neben Erfolgsautorin Gisela Steineckert, die Vronis Lebensgeschichte für die Nachwelt festgehalten hat, waren auch ihr genialer Komponist Franz Bartzsch und Gitarrist Knut Becker mit von der Partie im Theater Vorpommern. Das Publikum im vollen Haus gemischt - ältere Jahrgänge, die noch immer die allerersten Hits der Fischer aus dem effeff können, und junges Volk in trauter Eintracht. Viele waren gekommen, weil die voluminöse Stimme von Veronika Fischer nach wie vor für Gänsehaut sorgt.

Doch anders als bei Konzerten, wo Vroni als der Star gefeiert wird, warfen sich bei dieser musikalischen Lesung die Fischer, Franz Bartzsch und Gisela Steineckert gegenseitig die Bälle zu und gewährten den Zuhörern bislang nie gekannte Einsicht in das Leben der Thüringerin Veronika Fischer. Sichtbar wird ein Mensch - mit Höhen und Tiefen, Ecken und Kanten. Dabei las Gisela Steineckert, die auf sehr einfühlsame Weise am Anfang deutlich machte, wie wichtig und richtig jener genussvolle Abend trotz der Geschehnisse in Erfurt ist, relativ wenig direkt aus ihrem Vroni-Buch. Sie unterhielt sich viel lieber charmant-unaufdringlich und dabei immer liebenswürdig-neugierig mit der Künstlerin: Über ihre Kindheit in Thüringen, ihr Studium in Dresden, ihre Arbeit in Berlin, den Weggang aus der DDR, den Neuanfang im Westen, ihre Erfahrungen und Empfindungen nach der Wende, ihre Ehe, den wohl geratenen Sohn. Spürbar dabei in jedem Satz diese Sehnsucht nach Wärme. Der Titel des Steineckert-Buches kommt also nicht von ungefähr.

Höhepunkte - wie auch nicht anders zu erwarten - Vronis Musik. Kein nostalgischer Rückblick, wohl aber ein phänomenaler Querschnitt ihres Schaffens. Egal, ob zusammen mit Bartzsch oder solo, sie ist immer noch eine First Lady. Dabei, so bekennt sie selbst, seien ihre Lieder eigentlich Nischenprodukte. Kein reiner Rock, Pop, Schlager schon gar nicht, auch nicht der herkömmliche Liedermacher. Doch mit ihren lyrischen Balladen erreicht sie nach wie vor die Herzen ihres Publikums. Greifswald hat es bewiesen.

(C. M.)

Sächsische Zeitung, 25. April 2002:

Diese Sehnsucht nach Wärme

Veronika Fischer und Gisela Steineckert plaudern im Burgtheater

Eine Schöne und Eitle! Eine überklug Belesene! Aufgeblähtes Getue! Nichts dergleichen am Montag Abend im Burgtheater Stolpen. Waren es die alten Hits? War's das Erinnern an tiefgreifende Verse, dem Leben abgelauschte Geschichten? Oder war es das Gefühl, „zwei Frauen von uns" zu erleben? Was auch die Massen nach Stolpen gelockt haben mag, enttäuscht war keiner.

Gisela Steineckert sitzt am Tisch und sagt mit schelmisch blitzendem Blick: „Es ist nichts Neues, wenn ich verrate, dass ich nicht Veronika Fischer bin." Und sie erzählt, wie das vor 25 Jahren war. Im Roten Rathaus in Berlin, am kalten Buffet, als Veronika Fischer, Günter Fischer (nicht verwandt und nicht verschwägert) und Gisela Steineckert den Kunstpreis erhielten. „Wie schön die ist! Und wie die guckt!" So hat Gisela Steineckert damals gedacht. Nicht ahnend, dass ein Wunder geschieht. „Wir sind wie zwei Hexen auf ihren ureigensten Besen! Und ich wusste nicht, dass es das Schwerste in meinem Leben wird, ein Buch über Veronika Fischer zu schreiben. Sie wusste so wenig von sich, was wir begreifen können, was wir tolerieren müssen." Sie erzählt, wie sie dem nachgespürt hat, was die außergewöhnliche Sängerin zu einem warmherzigen Menschen werden ließ.

An das Buch „Diese Sehnsucht nach Wärme" habe niemand so richtig geglaubt. „Ich auch nicht!" Sagt's und schenkt dem Publikum ein bedeutungsvolles Lächeln. Holt lachend Veronika Fischer zum Podium. Vroni hatte voriges Jahr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Jede hat ein Buch vor sich. Eine Lesung aber wird's nicht. Sie reden als säßen sie plaudern am Kaffeetisch. Ergänzen einander so: „He, jetzt werden so viele 50. Man muss dauernd auf Geburtstagen sein", und „Ich singe da auch …, demnächst in Dresden." Dann Ergriffenheit. Andächtiges Lauschen auf die Einspielung von „Warum ich weine, mein Freund?" Vronis Kindheit in Thüringen, ihr Studium an der Hochschule für Musik in Dresden, Reisen zu den sozialistischen Brüdern, ohne Zuzugsgenehmigung in Dresden wohnen, berühmt werden, einen Ungarn lieben, heiraten, ein Kind wollen und auch kriegen, sich an „Zeit für ein Kind" (Kurt Demmler/Franz Bartsch) erinnern. Betroffenheit darüber, dass der Mann, der Sohn bei Westreisen zu Hause bleiben mussten. Als Geisel! Franz Bartsch wurde republikflüchtig. Über Nacht konnte der Vroni keiner ein neues Repertoire schreiben.

Arbeitslos. In der DDR! Einspielung „Es war ein Land, mein Land!" Stille und dann Applaus. Vroni war auch gegangen. Zehn Jahre Exil! Sie hat sich durchgebissen. Der 9. November 1989 wurde der zweite schönste Tag ihres Lebens (der erste Benjamins Geburt). „Alles hat seine Zeit!"

Es ist spät bei der Signierstunde. Sie wird zu einer kleinen, aber feinen Begegnung. Zwei Künstlerinnen geben sich nicht wie du und ich. Sie sind es.

(Karla Hertwig)

Freie Presse, 3. April 2002:

Glauchau: Mit deutschen Liedern ein Star geblieben

„Du hättest heute Abend auch Fernsehen können...", provozierte Gisela Steineckert am Dienstag mit eigener Lyrik gewissermaßen zum Aufwärmen das Publikum im dicht besetzten Konzertsaal von Schloss Forderglauchau. Doch für die Glücklichen, die eine Karte ergattert hatten, bedurfte es dieser Koketterie nicht. Die Strategie, die Schriftstellerin Gisela Steineckert und die Sängerin Veronika Fischer im Doppelpack auf Lesereise zu schicken, erwies sich in Glauchau als Verkaufsschlager.

Ebenso wie das gemeinsame Buch „Sehnsucht nach Wärme". Obwohl anfangs niemand an einen Erfolg geglaubt habe, wie die Biographin lakonisch feststellte. Aber als es in der Spiegel-Bestsellerliste auftauchte, war die erste Auflage bereits vergriffen. Weiter gestand sie, dass diese Biographie die schwierigste Arbeit ihres Lebens gewesen sei. Stück für Stück, aus einer heiteren Plauderei heraus, erfuhren die Gäste Privates aus dem Leben des Oststars, der 1980 in den Westen ging und es als „einzige Sängerin geschafft hat, mit deutschen Liedern ein Star zu werden und zu bleiben", wie Steineckert unterstrich. Das literarische Gespräch zwischen den Frauen, die über die Arbeit am Buch zu Freundinnen geworden sind, förderte Heiteres und Nachdenkliches im Leben der Künstlerin zu Tage. „Als ob zwei Hexen auf einem Besen zueinanderfliegen", beschreibt die Erfolgsschriftstellerin ihre Liason mit der anspruchsvollen Sängerin. Daran hätten beide vor 25 Jahren wohl nicht geglaubt. Denn bei ihrer ersten Begegnung, der Verleihung des „Kunstpreises der Stadt Berlin", kamen sie sich nicht näher als „Hund und Katze". „Ich konnte nicht wissen, dass sie in meinem Namen gekränkt worden war", entschuldigt sich die Autorin Jahrzehnte später dafür, der schönen Sängerin Arroganz unterstellt zu haben. Heute weiß es die selbst ernannte „Krokodilmutter" besser. „Die Fischer ist anders, lyrisch, zurückhaltend, irgendwo zwischen Mädchen und Dame, ganz Stimme und Musik...", beschreibt sie die 50-Jährige. Wovon sich das begeisterte Publikum bei neuen und alten Titeln sogleich überzeugen konnte. Dass die Begleitmusik dabei nur aus der Konserve kam, störte die Bewunderer ihrer Dreioktavenstimme nicht. Der Zugaben fordernde Beifall zeigte, ihr Publikum mag die melancholischen neuen ebenso wie die heiteren Töne älterer Lieder. Davon wird in der nahenden Open-Air-Saison noch mehr zu hören sein, wie die Sängerin versprach, die im vergangenem Jahr ihr 30. Bühnenjubiläum feierte.

(red)

Freie Presse, 1. April 2002:

Aue: Die Frau, die nichts für Quermann war

Veronika Fischer und Gisela Steineckert stellen im Auer Kulturhaus ihr gemeinsames Buch vor

Die Ost-Stars schwimmen immer noch unverdrossen auf den Wellen der Zuneigung ihres Publikums. Und dem gesellen sich inzwischen auch Jüngere hinzu. So nutzen die altbekannten jede Möglichkeit, im Gedränge des hart umkämpften Unterhaltungsmarkts, das Interesse an ihnen wachzuhalten.

Am Sonnabend fanden sich die Schriftstellerin Gisela Steineckert und die Sängerin Veronika Fischer im dicht besetzten kleinen Saal des Auer Kulturhauses ein. Anlass war ihr gemeinsames Buch über Veronika Fischer: „Diese Sehnsucht nach Wärme".

Wie immer war der Beifall freundlich bis begeistert, wenn Veronika Fischer sang, diesmal nur zur klingenden Konserve. „Heinz Quermann fand sie nie gut", meinte Gisela Steineckert und ergänzte: „Du bist die einzige Sängerin, die es geschafft hat, mit deutschen Liedern ein Star zu bleiben. Und du bist süchtig nach neuen Liedern." Die Sängerin erklärte: „Ja, denn ich habe nicht nur eine Vergangenheit."

Beide betonen ihre enge Freundschaft, die sie - „die zwei guten Hexen" - eingegangen sind. Der Grundton ihrer Lieder und Texte ist melancholisch. Darum wohl klagte die Autorin: „Und immer mehr Sender mit nichts als guten Launen." Aus der neuen CD „Tief im Sommer" sang Veronika Fischer das gleichnamige Lied mit dem Text von Gisela Steineckert „Auf die Dauer bleib' ich nicht allein - nach dir!" heißt es darin.

Beide Künstlerinnen erzählten vom Jahr 1975, als Veronika Fischer sehr viele Hits unter die Leute brachte und „Interpretin des Jahres" wurde. Doch dann kam der Tag, als Franz Bartsch, der Schreiber ihrer Lieder, nicht mehr aus Westberlin zurückkam. „Damit war meine Karriere in der DDR beendet. Die Lieder von ihm wurden für die Medien gesperrt."

Sie ging nach drüben, beantragte Arbeitslosengeld. Aber Fachleute der Branche kannten sie. „Betteln wollte ich nicht. Und so habe ich sechs Alben gemacht." In die Geschichte eingegangen und unvergesslich ist wohl die Szene, als sie zur Wendezeit von Gunter Emmerlich in die „Showkolade" eingeladen wurde. Unverhofft noch in Straßenschuhen, geriet sie auf die Bühne der Semperoper. Emmerlich fragte nur: „Wo warst du denn so lange?"

Nach dem Abend mit den beiden Künstlerinnen wurden CDs und Bücher signiert. Nationalpreisträgerin Steineckert hat viel geschrieben für Film, Fernsehen und Hörspiel, war die Chefin des Komitees für Unterhaltungskunst der DDR. Die fast 40 Bücher und Büchlein wie „Lieber September" und die Weibergedichte „Nun leb mit mir" fanden und finden viele Leser. Davon, betonte die Schriftstellerin, sei „Diese Sehnsucht nach Wärme" für sie das schwerste Buch gewesen. Und immerhin sei es in der Bestsellerliste des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel" aufgetaucht.

(PAU)

Ostsee-Zeitung, 18. März 2002:

Vronis Bücher nach Gastspiel vergriffen

220 begeisterte Zuschauer erlebten einen mitreißenden Auftritt von Veronika Fischer

Alle 220 Plätze der Barther Boddenbühne waren am Sonnabend zum Gastspiel von Fischer und Steineckert restlos ausverkauft. Die Besucher waren überwältigt, die Sängerin live erlebt zu haben.

Barth(OZ) Susi Gallus und Angela Schüttler waren hingerissen: „Veronika Fischer so dicht und live zu erleben, ist einfach toll. Sie ist so natürlich und noch so außergewöhnlich schön für ihr Alter". Wie diese zwei Damen kamen die meisten der 220 Gäste völlig aufgelöst in die Empfangshalle der Barther Boddenbühne nach der Buchvorstellung zurück.

Gisela Steineckert, für die längste Komposition eines Liedes hat sie übrigens acht Jahre gebraucht, und Veronika Fischer (50) hatten am Sonnabend dort ihr neues Buch „Sehnsucht nach Wärme" vorgestellt, das ein literarisches Gespräch der zwei Frauen beinhaltet. Es bietet seltene Einblicke in das Privatleben von „Vroni" und zeichnet ihren Weg auf der Bühne nach. Außerdem gab Fischer zwischen den Dialogen mit Steineckert auch viele ihrer alten und einige ihrer neuen Lieder zum Besten.

Die meisten Besucher eilten direkt nach dem Gastspiel zu dem kleinen Bücherverkaufsstand in die Vorhalle, der an diesem Abend restlos leergekauft wurde.

Nur wenige hatten das Buch schon gelesen. Eine von ihnen war Bärbel Müller. Sie sei von dem Buch enttäuscht. Es sei schwer verständlich, eher für Insider geschrieben. Das Werk sei eher ein Monolog von Gisela Steineckert als ein Dialog der zwei Frauen: „Ich habe mir mehr über das Leben von Veronika zu erfahren erhofft. Aber heute fand ich beide sehr gut. Eigentlich bin ich ja auch ein Fan von beiden". Bernd Hippner, der angab, ein ehemaliger Sicherheitsbeamter der Sängerin zu sein, hält das Buch für gelungen. Er finde sogar einige Aspekte aus seinem Leben in dem Buch wieder, die damalige Zeit sei gut dargestellt.

Die zwei Künstlerinnen gaben unterdessen zu, dass sie nie mit einem Platz in der Bestseller-Liste des Spiegels gerechnet hätten.

Nach den zwei Stunden fiel den Besuchern der Abschied schwer. Zweimal mussten die Frauen die Bühne zum wiederholten Mal betreten. Als Zugaben sang Veronika Fischer zwei Lieder ihrer neuen CD „Tief im Sommer". Gisela Steineckert gab den Gästen noch ein paar philosophische Worte mit auf den Weg: „Es hat Spaß gemacht mit euch unbekannten, nahverwandten Seelen".

(Virginie Hotass)

Märkische Oderzeitung, 17. Februar 2002:

Veronika Fischer im Kunstspeicher Friedersdorf

Friederdorf (MOZ) Sie waren wegen ihr gekommen. Wegen Veronika Fischer. Die Fischer im Kunstspeicher - das hatte dem Haus mehr Kartenanfragen denn je eingebracht. Gut 100 Gäste konnten sie und Gisela Steineckert erleben.

Die Sängerin Veronika Fischer - 50, seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne - und die Lyrikerin Gisela Steineckert - eine 70-Jährige, die von sich sagt, sich heute stärker zu fühlen als mit 50 - haben sich nach 25 Jahren wieder gefunden. Getroffen haben sie sich schon vor mehr als 25 Jahren. „Damals kannten wir uns gar nicht. Ich hatte sechs Berlin-Texte geschrieben, die Günter Fischer vertonte, und Veronika sang sie plötzlich. Dafür bekamen wir den Kunstpreis der Stadt Berlin. Das erste Mal gesehen haben wir uns bei der Preisverleihung im Roten Rathaus, ohne uns anzusprechen."

Im Jahr 2000 ging die Sängerin auf die Lyrikerin zu, wollte, dass die Steineckert für sie Texte schrieb. Gemeinsame Lieder entstanden, und so übertrug Veronika Fischer der Steineckert auch ihre Biografie. Entstanden ist keine Lebensgeschichte im herkömmlichen Sinne. Das Seelenleben der Fischer und die Annäherung zwischen beiden Frauen stehen im Mittelpunkt. Der Leser vollzieht nach, wie das Nachdenken über ihr Leben beim Schreiben des Buches die beiden Frauen einander nahe brachte. Gisela Steineckert erzählt: „Auch ich war damals ärgerlich, als Vroni Fischer plötzlich weg war. Aber wir wussten nicht: Sie wollte nicht weggehen, aber sie wurde hinausgedrängt. Über Nacht durften all ihre Lieder nicht mehr gespielt werden, Konzerte, Auslandstourneen wurden abgesagt."

Dass sich die Fischer treu geblieben ist, war in Friedersdorf zu spüren. Mit Liedern voller Sinnlichkeit und Poesie hat sie sich mit ihrer kraftvollen Drei-Oktaven-Stimme in das Herz ihres Publikums in ganz Deutschland gesungen. Dennoch mag sie nicht verbergen, dass ihre Wurzeln im Osten sind. Sie spricht ohne Bitterkeit von jener Zeit. Trotz allem Geschehenen.

Wohl nicht zufällig, wohl auch deshalb ist die Fischer- Biografie mit „Diese Sehnsucht nach Wärme" (Verlag „Das Neue Berlin") überschrieben. Jene Sehnsucht empfanden auch die Gäste in Friedersdorf. Vor allem in den Liedern, die erklangen. Noch lange schrieben Veronika Fischer und Gisela Steineckert Autogramme auf Bücher und vorallem auch auf CD's.

Neues Deutschland, 13. Februar 2002:

Frauensicht und Fraueneinsicht

Überraschungserfolg aus dem Osten: Veronika Fischers »Sehnsucht nach Wärme«

Der Erfolg kam so schnell wie unvorhergesehen. Kaum sind im September die Erinnerungen der Sängerin Veronika Fischer erschienen, da waren sie auch schon ein Renner. Bald gar sowas wie Bückware: Als das Buch Ende Januar von Null auf Platz 14 der »Spiegel«-Bestseller-Liste hüpfte, war die erste Auflage bereits vergriffen. Von den 7000 Exemplaren der zweiten Auflage, ab dem 18. Februar lieferbar, ist bereits die Hälfte vorgemerkt.

Auch die Live-Veranstaltungen, die »Vroni« Fischer zusammen mit Gisela Steineckert unternimmt, erfreuen sich ungeahnter Beliebtheit: So kamen in Brandenburg rund 600 Begeisterte in einen Saal, der eigentlich nur 500 fasst. Bis in den Mai hinein ist das Gespann Fischer-Steineckert auf Tournee, Verhandlungen für weitere Lesungen reichen bis in den Bücher-Herbst. Dabei sollte »Sehnsucht nach Wärme« eigentlich nur »ein literarisches Porträt« werden, so Veronika Fischer. Die nonkonforme Lebensbeichte entstand innerhalb von sechs Monaten, in intensiver Zusammenarbeit mit Gisela Steineckert. Deren bescheidenes Ziel: »Die Leute nicht zu langweilen.« Doch ausgerechnet dieses Buch, nur wie nebenbei auch ein Porträt der DDR, schlug ein, während eine Unmenge anderer Biografien sich wie Blei in den Lagerräumen hält.

Auch wenn man mit einem so ehrlichen Werk, das statt ständiger Siegespose auch Selbstkritik bereit hält, niemals die Verkaufszahlen von Trivial-Bestsellern erreicht: Für die Ostberliner Verlagsgruppe Eulenspiegel / Das Neue Berlin ist es ein Supererfolg. Der Grund dafür mag just in dieser feinen Art von Durchdachtheit liegen. Die weibliche Besonnenheit trifft genau den Nerv.

Gisela Steineckert freut sich schon deshalb, weil »dieser Erfolg ja auch ein Plädoyer für Anspruch ist«. Veronika Fischer meint: »Das Lesen gehört zu unserer Identität, zu unserem Leben.« Das Buches sei wohl auch deshalb gefragt, vermutet sie, weil »es Geschichtsbezug hat«. Bei ihren Gesprächen mit Lesern stellte sie ein »Aufarbeitungsbedürfnis« fest.

Mitunter, so Gisela Steineckert, überwiegt auch schlicht der Fan-Kult. Es kommt vor, dass jemand bei Veronika Fischers Anblick verzückt ausruft: »Sie gibt’s ja wirklich!« Die bildschöne Sängerin ist als geschiedene allein Erziehende mit aller Unbill des Alltags bestens bekannt und gilt als Ostdeutsche, die einst in den Westen ging, nun vielen zugleich als verlorene Tochter, die »zurückkam«. Gisela Steineckert gibt ein »mütterliches« Verhältnis zu. Zwei ungleiche und doch seelenverwandte Frauen – in ihrem Dialog sprechen sie aus, was viele, besonders im Osten, bewegt.

(Gisela Sonnenburg)

Ostsee-Zeitung, 4. Februar 2002:

Frauen wie Feuer und Wasser

Veronika Fischer und Gisela Steineckert im „Windspiel"

Pressefoto

Buchpräsentation und jede Menge Autogramme: Gisela Steineckert und Veronika Fischer.

Foto: Andreas Golz

Östliche Altstadt(OZ)Zwei Frauen mit DDR- Karrieren wie Feuer und Wasser. Nach der Flucht ihres musikalischen Inspirators Franz Bartzsch 1980 in den Westen war Veronika Fischers Laufbahn augenblicklich beendet. Da schwebte Gisela Steineckert bereits als Cheflektorin im Rundfunk und später als Vorsitzende des Komitees für Unterhaltungskunst in ganz anderen Sphären.

Voriges Jahr, als für die Fischer vieles rund lief - Geburtstag, Bühnenjubiläum - , bat die Künstlerin die Schriftstellerin um neue Liedtexte. „Wir wussten vorher nichts voneinander und sind aufeinander zugegangen. Das ,Aufschließen' einer Künstlerin, wer sie ist, was sie will - reizvoll und schwerste Arbeit", blickt Steineckert auf zaghaftes Herantasten zurück.

Heraus kam ein Buch über Veronika Fischer, das in der ersten Auflage vergriffen und jetzt in der Spiegel-Bestsellerliste platziert ist. Am Sonnabend präsentierte das Duo Steineckert /Fischer in zwei Veranstaltungen - die die Nachfrage bei weitem nicht deckten - im Cafe „Am Windspiel" das literarische Porträt „Diese Sehnsucht nach Wärme". Gisela Steineckert gibt Vorlagen und Veronika Fischer erzählt. Über Kindheit, musikalische Ausbildung in Dresden - „in der Klassik wäre ich Altistin geworden" - , Wohnung mit Kachelofen, Mutterrolle und natürlich über Einflüsse kreativer Zeiten und Musiken in den Siebzigern. Ihr Leben in Männer-Übermacht: Frontfrau in der Gruppe Panta Rhei, später mit eigener Band. Klassische Liedführungen in ihren unvergessenen Hits, die die „Vroni" in unzähligen Konzerten einmalig machte. „Sie hat die Musiker auf ihre Linie eingetrimmt", erinnert sich Zuhörer Bernd Hameister, dem Gisela Steineckerts Gesprächsführung mit der Sängerin sehr gut gefiel. „Wir sind ja mit „Vronis" Liedern großgeworden."

Später im Westen musste sie sich umstellen, sagt Veronika Fischer, doch sie habe sich etabliert. Dreißig Jahre Karriere, 16 Alben, 2000 bestrittene Konzerte - „über den Daumen gepeilt" - und für dieses Jahr viele Vorhaben belegen: „Sie ist die einzige Sängerin, die sich nach so vielen Jahren im Rock-, Pop- und Balladenbereich als Star bezeichnen kann", sagt Gisela Steineckert. Und so steht es denn auch im Buch.

(AG)

Berliner Zeitung, 14. Dezember 2001:

Abschied von manchen Vorurteilen

Sängerin und Dichterin stellen gemeinsames Buch vor

"Ein paar Vorurteile bin ich los geworden, aber alle meine Erwartungen an diesen Abend sind vollkommen erfüllt worden", lautete das eigentlich widersprüchliche Fazit von Margitt Steinke. Wie die 48-jährige Pankowerin dachte am Mittwoch noch manch anderer Besucher nach dem Leserforum der "Berliner Zeitung". Viele waren gekommen, um eigenen Erinnerungen an die DDR-Sängerin Veronika Fischer nachzuspüren. Doch sie lernten im Weißenseer Club "H.O.F. 23" auch andere und neue Seiten der Sängerin kennen.

Gemeinsam stellten Veronika Fischer und Gisela Steineckert ihr gemeinsames Buch vor. Ein Porträt der Fischer hatte es werden sollen. Doch die Steineckert merkte bald: "Da musst du dich selber auf den Prüfstand stellen, mit deinen Ansichten von damals und von heute." So ist es ein Buch über beide Frauen geworden. "Das war die schwerste Arbeit meines Lebens", sagt die inzwischen 70-jährige Steineckert über die Monate der gegenseitigen Annäherung und des Schreibens.

Gisela Steineckert ist umstritten. Nicht jeder mag ihre Texte. Vor allem aber kritisiert sie mancher heute wegen ihrer damaligen Arbeit als Präsidentin des DDR-Komitees für Unterhaltungskunst. 1981 dichtete sie: "Wenn ich fortginge wie ein Dieb in der Nacht / oder lauthals wegen meines schönen Bildes von der Welt / geh ich niemanden mehr an." Ein Jahr zuvor hatte Veronika Fischer die DDR verlassen. - Doch die Fischer hat heute selbst die Steineckert um die Arbeit an dem Buch gebeten. Und sie singt auf ihrer jüngsten CD Texte von ihr. Sie ist überzeugt: "Gisela hat ihre Meinung zu vielen Dingen seit damals geändert. Sie ist heute ehrlich, wie sie in der DDR eben auch ehrlich und idealistisch geglaubt hat."

Immer wieder kommen Lieder

Gisela Steineckert liest aus dem Buch und plaudert mit Veronika Fischer über die Jugend in einem kleinen thüringischen Dorf. Über das Leben eines DDR- Stars - in einer kleinen Wohnung mit Außenklo und die Tourneeplanung ohne Telefon. Über die Familie. Über den neuen Start in den 80ern in West-Berlin. Dort ist sie nicht mehr der Star, aber auch dort kommt sie an, anders als das damals in den DDR-Medien dargestellt wurde. Und zwischen den Lesestellen werden vom Band immer wieder die Lieder eingespielt: "Guten Tag", "Dass ich eine Schneeflocke wär " oder der Erfolg des Jahres 2001, "Tief im Sommer".

(Matthias Kunert)

Ostsee-Zeitung, 27. September 2001:

Melancholischer Blick zurück

Gisela Steineckert und Veronika Fischer stellten ihr Buch in Rostock vor

Veronika Fischer (r.) und Gisela Steineckert in der Rostocker Universitätsbuchhandlung Phönix.

Foto: Häntzschel/nordlicht

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Rostock (OZ) Am Dienstag war der abendliche Besucherandrang in der Phönix-Buchhandlung in der Rostocker Breiten Straße groß wie lange nicht. Man hatte Mühe, alle verfügbaren Stühle aus den Magazinen zu holen. Mehr Menschen seien, so jedenfalls war zu erfahren, lediglich in der „Harry- Potter-Nacht" im Hause gewesen.

Der Andrang galt diesmal zwei Frauen, die jede auf ihre Weise stark und sympathisch sind: Veronika Fischer, der Sängerin, und Gisela Steineckert, der Schriftstellerin. Anlass war eine Buchpremiere: Gisela Steineckert hat auf Wunsch der Sängerin ein Buch über sie geschrieben, das unter dem Titel „Veronika Fischer. Diese Sehnsucht nach Wärme" vor wenigen Tagen im Verlag das Neue Berlin erschienen ist.

Das gemeinsame Arbeiten an diesem Buch bestimmte auch den Verlauf des Abends: Die Autorin spielte mit „Vroni" ein Interview, das sich oft genug umkehrte und mit passenden Titeln aus der CD-Konserve gewürzt wurde. Auf diese Weise kam ein beziehungsreiches Gespräch zustande, das auf das Interesse des Publikums traf. Man erfuhr zu Beginnvon der Thüringer Bindung der Sängerin, über die Taubstummheit in der müttlerlichen Linie und die daraus resultierende Lust an der Musik. Es war die Rede von den schwierigen Lebensumständen in den siebziger Jahren, als Fischer & Band schon bekannt waren, aber immer noch halb illegal in kleinen Berliner Wohnungen mit Plumsklo eine Treppe tiefer wohnten.

Mehr noch war die Rede von den Kreativpartnern der Sängerin, von den Gruppen natürlich, mit denen sie zusammen gearbeitet hat wie die Fred-Herfter- Combo, die Stern Combo Meißen, Panta Rhei und ihrer eigenen Band schließlich. Dann von Komponisten wie Franz Bartzsch, Thomas Natschinski und Textern wie Jens Gerlach und Kurt Demmler (und Texterinnen wie auch eben Gisela Steineckert).

Natürlich ging es auch um ihre künstlerischen Auffassungen. Und dazu gehört das Kapitel, warum sich Veronika Fischer nach ihrer Übersiedlung im Jahre 1981 trotz lukrativer Angebote weder als Schlagersängerin noch als Reisende in Sachen Autohäuser hat vereinnahmen lassen. Es ging auch um den Versuch, die Sängerin nachträglich gegen all die vielen Anfeindungen und Unterstellungen zu DDR-Zeiten und danach - z. B. über die Umstände und Gründe des Wegganges aus der DDR und ihrer Reflektion darüber - in Schutz zu nehmen. Zu hören waren vielleicht ein bisschen mehr Rechtfertigung und Richtigstellung als nötig gewesen wären.

Gisela Steineckert gab Einblicke ins Innere der Unterhaltunsszene und Kulturpolitik der DDR, die zwar nicht mehr überraschen, aber einem immer noch den Kaffee hochkommen lassen (das Lizenzgebaren bei Amiga, der Umgang mit internationalen Auftrittsangeboten oder dem Urheberrecht, die „Privilegien"-Handhabung usw.).

Wie sehr Gisela Steineckert selbst in all das integriert war und ist, merkt man vor allem am Ton, der das Buch bestimmt, aber auch den Abend über zu spüren war: Trotz aller geistreichen und bezüglichen Apercus und Apropos blieb das ganze ein bisschen verhalten-wehmütig, vielleicht sogar abgeklärt-melancholisch. Man hätte sich manches auch eine Spur lustiger, provokativer oder doch wenigstens dynamischer denken können.

(Bernd Melzer)