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Bild Gisela Steineckert

Presseberichte über Steineckert-Lesungen

 

 

Maerkische Allgemeine, 21. April 2004:

"Aufs Herz getreten", aber das ist noch immer übervoll
Gisela Steineckert hatte bei einer Lesung
in der Wusterhausener Bibliothek begeisterte Zuhörer

Wusterhausen. Gisela Steineckert las am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek Wusterhausen. Noch kurz vor 19.30 Uhr strömten ihre Fans. Bibliothekarin Marianne Golde konnte schließlich nicht nur die bekannte Buchautorin, sondern auch etwa 60 Gäste begrüßen.

Die Veranstaltung fand anlässlich des Welttages des Buches statt, der am 23. April begangen wird. Marianne Golde bedankte sich bei Gisela Steineckert für die spontane Bereitschaft, eine Benefizlesung durchzuführen. Die Erlöse des Abends – immerhin 353 Euro – kommen nämlich dem so genannten Herbst’schen Haus Am Markt 3 zugute, in dem nach der Sanierung die Bibliothek, das Heimatmuseum sowie Vereine im soziokulturellen Zentrum ihre Bleibe finden sollen.

Gisela Steineckert weilte bereits 2002 in Wusterhausen. Auch dieses Mal begeisterte sie ihre Zuhörer mit einigen Kapiteln aus dem Buch "Alt genug, um jung zu bleiben" und aus anderen Werken. Die Steineckert ist sich selbst treu geblieben. Seit 1974 lebt sie in der "Platte" in der Leipziger Straße von Berlin. Sie bezeichnet es als ein "Dorf nach oben mit 182 Menschen, interessant, wenn man hinguckt. Im Fahrstuhl trifft man viele Menschen, sieht, wie sie wachsen, älter werden, Kinder kriegen. So veränderte sich alles in den 35 Jahren, in denen ich in dem Hause lebe."

Gisela Steineckert spricht über "die Fältchen vom Lachen" oder doch des Älterwerdens? Sie lässt Blicke ins Innere zu. "Wie es mir geht? Wunderbar, richtig gut, meine neue Lebensform: Ich bin alt geworden." Auch die Befindlichkeiten spricht sie an, dass sie sich oft "aufs Herz getreten" fühlt, dass nicht alles toleriert, verziehen werden kann. "Ich weiß, wie verlierbar alles ist. Das Meiste ist erlaubt in der schönen Zeit des Alters", sagte sie und erntet Kopfnicken. Auch auf das Beunruhigende in Deutschland und der Welt geht sie ein. Diese leisen Töne sind dann doch sehr laut. Sie ist eine Meisterin der Wortspielereien. Es bereitet Freude, ihr zuzuhören.

Herrlich ihre Version von den sieben Geislein. Ihr besonderes Augenmerk ist dabei auf das jüngste Geislein gerichtet, das sich stets im Uhrenkasten versteckte, als Schutz vor den eigenen stärkeren Geschwistern. Das jüngste, das schwächste, das sich doch durchsetzende Geislein gewinnt unsere Sympathien. Die Steineckert’sche Homage an Helga Hahnemann ist ergreifend. "Wir beede" ist eine Laudatio auf eine besondere Frau, die ulkig und zugleich tragikkomisch war. Die Autorin sagt, dass Künstler auf der Probebühne am besten sind. Sie beobachtete sie in Vorbereitungen von Ausscheiden gerade dort, auch Helga. Die machte aus der kleinen Chance, die ihr gegeben wurde, eine große.

Rührend kommt die Geschichte von der Verleihung des Nationalpreises 2. Klasse an sie beide herüber. Beim anschließenden Festempfang standen die Gäste. Die Kellner marschierten ein. Ehe sie noch alles abstellen konnten, begann Erich Honecker mit seiner Rede. Alles verharrte wie im Märchen Dornröschen, bis Gisela Steineckert und Helga Hahnemann zu einigen Kellnern gingen, um ihnen die Bürde abzunehmen und auf die bereitgestellten Tische zu stellen. Andere taten es ihnen gleich. Und Honecker redete und redete. Die Situation war amüsant und peinlich zugleich.

Die anderthalb Stunden in Wusterhausen vergingen wie im Fluge. Anschließend wechselten zahlreiche Bücher die Besitzer. Die Enkelin der Schriftstellerin verkaufte, die Autorin signierte.

(Gerhard Fenske)

 
Ostsee-Zeitung, 15. März 2004:

Sinnieren über Liebe und Leben

Gisela Steineckert faszinierte Publikum bei Lesung im Remter

Stralsund. Gisela Steineckert las Freitagabend im Remter von vielen schönen Dingen – von Männern und von Frauen und vom Schönsten überhaupt: der Liebe. War's das Thema, war's die Steineckert? Der Saal war voll! Die Autorin trug ihre Geschichten vor, schauspielerte, amüsierte ihr Publikum mit trockenem Witz und hatte dann alle Hände voll zu tun mit dem Signieren ihres Buches.

Viele Gäste hatten es schon während der Lesung in der Hand, blätterten darin, suchten die Passagen, die sie gerade hörten, voller Vorfreude, alles noch mal nachzulesen. So viel Originalität und Geist und Witz will man Schwarz auf Weiß zu Hause haben!

Die Geschichten sind nah dran am Leben. Keiner, der sich darin nicht wiedererkennt, ob frisch verliebt oder eine Ewigkeit lang verheiratet, ob Mann oder Frau.

Die Steineckert war ganz Frau an diesem Abend. „Übellaunige Dichterin“ sogar, wenn es um die Unterdrückung der Frau ging. Der Monolog aber, den sie einem durchschnittlichen Ehemann in den Mund legte, weist auf eine große Liebe zu der Spezies hin, die Fußball meistens vom Sofa aus spielt und ihre Angehörigen mit „Scheinen“ versorgt. „Manchmal fragt er sich, ob er sie je so begehrt hat wie jetzt seine Ruhe.“

Eine andere Geschichte handelte von ihrem eigenen Ehemann, der das Geschriebene, wie sie amüsiert anmerkte, als „seinen Verriss“ bezeichnet. Genüsslich breitet sie sich darin aus. Über ihn! Sehr liebevoll natürlich. Das Ehepaar Steineckert scheint in jedem Mann und jeder Frau zu stecken. Dass diese Ehe nicht zufällig eine gute ist, beweist: Wer sich selbst nicht so ernst nimmt, über sich lachen kann, der hat eben das Glück auf seiner Seite – und die Lacher, wie Gisela Steineckert.

„Wenn du mit einem Mann nicht lachen kannst, musst du auch nicht um ihn weinen“, gab sie zu bedenken und ihrem Publikum Betrachtungen über eine Rose mit auf den Weg: Die Knospe ist fest in sich verschlossen. Nur gewaltsam dringt man in ihr Inneres vor. Wenn sie aber ihre Blüte eines Tages duftend entfaltet, wird sie zwar wehrlos, doch eine glückliche Blume, bewundert und geliebt. Will sagen: Wer sich verschließt und kein Risiko eingeht, lebt auf der sicheren Seite. „Wer sich aber entscheidet, sich zu öffnen und alles zu geben, der wird beschenkt mit dem Leben und der Liebe.“

(Juliane Voigt)

Leipziger Volkszeitung, 20. Oktober 2003

Das Schöne an den Männern: Es gibt sie

Delitzsch. Was ist "Das Schöne an den Männern"? Nicht nur Frauen wollten sich vergewissern - Sonnabend im "Weißen Roß" in Delitzsch. Auch Männer hatte neugierig gemacht, wie Gisela Steineckert das sieht. Die Schwarzhaarige, Kugelrundäugige, der man ihre 72 Lenze auch auf den zweiten Blick nicht ansieht. Die Unterhaltungskünstlerin, Schriftstellerin, deren Texte vor Jahrzehnten auf Bühnen junger Singebewegung im Schwange waren. Im letzten Jahrzehnt beweist sie vor allem als Buchautorin Produktivität. Verblüfft Frauen und Männer, wie sie sich in Steineckertschen Geschichten wiederfinden. In der "Trauten Brautnacht" etwa am 9. November 1989, in der sie - barfüßig oben auf ihrem Balkon in der Leipziger Straße in Berlin stehend - den unglaublichen Moment wahrnahm, als "Türken, Griechen, Italiener, Jugoslawen... Deutsche zu Hause begrüßten in einem Deutschland, in dem sie schon zu Hause sind..." Mit Bangen im Innern sah sie es, denn "beim Vereinigen erreicht man den anderen nur, wenn man sich selber ganz behält..."

Gisela Steineckert las aus dem Buch, das sie "nach dreißig jahren ohne einen augenblick der langeweile für wilhelm" widmet, auch aus Gedichten, in denen sie "Das Schöne an der Liebe" auf ihre innige, konfliktsuchende Art seziert. Sie las? Augenblickweise nur brauchte sie das Manuskript als bescheidene Hilfe, stets eine Pointe parat. Etwa, aktuelles Weltgeschehen vor Augen: "Immer sind die Überfallenen rasend vor Zorn". Oder Emanzipationserfahrung weiter gebend: "Frauen sind nicht die besseren Menschen. Lasst Frauen im Männerorchester mitsingen und sie tönen lauter, als Männer es tun".

Oder ihr Leben in dem unter gegangenen Ländchen karikierend, stellt Gisela Steineckert fest: "Gleichberechtigt waren wir Frauen nicht, wir hatten nicht mal ein Ampelfrauchen." Rigoros gibt sie auch sehr Persönliches preis: "Zu einer Konkurrenz mit einer Katze habe ich es in unserer 30-jährigen Ehe nicht kommen lassen. Ich hätte unterlegen." Oder "wenn du mit einem Mann nicht lachen kannst, musst du auch nicht um ihn weinen..."

Was ist nun das Schöne an den Männern? Das wird jede Frau für sich beantworten müssen. Auf jeden Fall: Dass es sie gibt. Schauspielerin und Sängerin Angelika Neutschel besang es von sanft bis leidenschaftlich zu Gisela Steineckerts Texten, begleitet am Klavier von Irene Wittmann.

Edith Dorothea Klisa

Sächsische Zeitung, 17. Oktober 2003

Blick für wahre Kunst schärfen

Berliner Autorin Gisela Steineckert bietet Buchlesung mit Lebensberatung

Pressefoto

War jetzt mit Lesung und literarisch-musikalischem Programm in Riesa zu erleben: die bekannte Berliner Schriftstellerin Gisela Steineckert.

Foto: Agentur

Bei ihrem Auftritt in Riesa las die Berliner Autorin Gisela Steineckert am Dienstag Texte aus ihrem neuesten Buch „Das Schöne an den Männern“ und bescherte dem Publikum ihres literarisch-musikalischen Programms einen erfüllten Abend.

Sie begann die Lesung ohne viel Federlesen. Couragiert und selbstbewusst tat sie ihre Meinung kund, jedes Wort ein Treffer, mitten ins Herz oder ins Hirn. Das tat gut. Nach den allgegenwärtigen Luftblasen unserer Zeit glich ihre klare Sprache einer Entrümpelungsaktion in den Köpfen der Zuhörer. Endlich mal wieder eine vom alten Schlag, die Mut macht, sich auf einstige Stärken und Leistungen zu besinnen. Ihr Auftreten schärft den Blick für wahre Kunst. Der anfänglich erste Eindruck von Strenge wich im Verlauf des Abends immer mehr einer heiteren Gelassenheit. Mitten durch ihre Autorität blitzt eine warmherzige Frau, mit der Fähigkeit, wahrhaft zu lieben.

Amüsanter Griff nach persönlichen Erfahrungen Nachdem alles abgehandelt war über die Welt, die Wende, das Leben, die Liebe und alle öffentlichen Bereiche, wechselte Gisela Steineckert in das ganz Persönliche. Kurzweilig und amüsant griff sie in den großen Topf ihrer Lebenserfahrungen. Das alte Thema um Mann und Frau und ihre ganz alltäglichen Begegnungen wird bei ihr nie langweilig.

Immer ganz nah dran hält sie mit Worten fest, was alle schon erlebt und empfunden haben. Kein Wunder, dass sie nach Lesungen regelmäßig überrannt wird von Zuhörern, die ihr eigene Erfahrungen berichten wollen und Rat suchen. Das Fühlen der „nah verwandten Seele“ schafft ihr zwangsläufig ganz enge Publikumsbindung und eine ungeheure Resonanz. „Ich bekomme jede Menge Briefe, Anrufe, E-Mails. Und das ist gut so. Mich interessieren ja am meisten die Männer und Frauen und wenn man etwas berühren kann. Ich merke mir Gesichter und Gespräche, weniger die Orte. Woraus ich Literatur mache, habe ich selbst gelebt, beobachtet oder erfahren. Vieles ist erfühlt, mit- und nachgefühlt. Alles, was ich höre, berührt mich, tut manchmal auch weh.“

Auch sie hat ihr Trauma aus der Kindheit zu tragen, hat jahrelang verzweifelt nach der großen Liebe gesucht. Fündig geworden, schwärmt die 72-Jährige nach 30 Ehejahren: „Mein Wilhelm ist die große Liebe. Nie wieder hat mir ein anderer Mann gefallen. Wir lebten all die Jahre ohne einen Moment der Langeweile, aber immer mit dem nötigen Abstand und dem Respekt voreinander.“

Sie schrieb, als sie allein war, hinter das Geheimnis der Liebe kommen wollte. Sie dachte zeitweise, nicht fähig zur Liebe zu sein und traf dann doch den einzigen Menschen. Sie schrieb weiter, denn ab da war es richtig Arbeit. Die Liebe sollte am Leben bleiben. Generationen von Mädchen und Frauen haben ihre Gedichtbände verschlungen, Mut und Trost gesucht im eigenen Gefühlschaos.

Freundschaft durch gemeinsame Begeisterung

Ines Garbe, heute 39, erinnert sich: „Schon als Schülerin haben mich ihre Worte beim ersten Liebeskummer begleitet. Dass ich diese Frau seit Jahren verehre, habe ich meiner Lehrerin zu verdanken.“ Die Begeisterung für Gisela Steineckert ließ die beiden zu Freundinnen werden, und so kamen sie extra aus Oschatz zur Lesung.

Die 62-jährige Christel Freyer schwärmt: „Ich habe lange nicht mehr so einen erfüllten Abend erlebt. Es passte einfach alles. Gisela Steineckert durchleuchtet mit ihren Texten das ganze Jahrhundert. Sie fängt in Worten Leben ein. Das hat mich sehr berührt. Wir haben gelacht, geweint und wurden nachdenklich.“

Die Palette der Gefühle sei vor allem auch dem wunderbaren Vortrag der Schauspielerin und Sängerin Angelika Neutschel zu verdanken. Begleitet von der jungen Pianistin Irene Wittermann, sang sie Texte von Gisela Steineckert und Erwin Berner, die unter die Haut gingen.

(Ines Klotz)

Nordkurier, 9. Dezember 2002:

Geschichte von Maria und Josef hinterfragt

Gisela Steineckert startet mit Lese-Programm "Weihnachten als Familie" in Torgelow

Torgelow (jt). In der der Torgelower Restauration "Taubenschlag" stellt Giesela Steineckert am Nikolausabend erstmals ihre neue Lesung "Weihnachten als Familie" vor. Sie breitet in einem weiten Bogen mit Lyrik wie auch Prosa aus eigener Feder ihre Gedanken und Gefühle rund um das Weihnachtsthema aus, die Zuhörer immer im Blick. Ihr Timbre wechselt bei Dialogen zwischen hell und dunkel. Die Zuhörer lauschen sichtlich bewegt, gehen mit, reagieren auf der Dichterin heitere Texte mit vergnügter Ausgelassenheit. Gisela Steineckert schildert ihre persönliche Sicht auf die Geschichte von Maria, Josef und deren Sohn. Sie fragt, wer eigentlich Weihnachten braucht oder die festlichen Lieder von gestern heute noch versteht. Stille Nachdenklichkeit im Saal, als Weihnachten und Krieg in verschiedenen Zusammenhängen erörtert werden. Das Publikum erbaut ihre Kunst des Vortragens, ihre Art , einen tief schürfenden Gedankendialog zu entfalten, aber auch ihre Fähigkeit , finale Sätze einer Geschichte wie "So bleibt Weihnacht" zu zelebrieren. Die Autorin zeigt sich auch im neuen Programm als ein Multitalent. Sie vereint Schauspielerin, Dramaturgin und Sprachkünstlerin auf beglückende Weise. Die Leute im Saal danken Gisela Steineckert mit reichlich Beifall.

Nordkurier, 9. Dezember 2002:

Von Jesus, Lametta und armen Ossi-Rentnern

Gisela Steineckert fesselt ihr Torgelower Publikum

Pressefoto
Gisela Steineckert sucht den Dialog mit ihrem Publikum und erspürt so die Stimmung ihrer Gäste. Kurierfoto: F. Wilhelm

Torgelow (wil). Gisela Steineckert hat nach wie vor viele Fans. Kein Wunder, kann sie doch nach Eva Strittmater sicher als die zweite große Dame der Lyrik in der DDR bezeichnet werden. Genauso wie die Strittmatter ruht sich aber auch die Steineckert nicht auf den vor 1989 gesammelten Lorbeeren aus - was ja letztlich die Garantie dafür ist, dass nach wie vor die Menschen - vornehmlich Frauen - zu ihren Lesungen strömen; wie auch am Freitagabend im Torgelower "Taubenschlag", als etwa 80 Gäste kamen.

Vermischtes zwischen Nachdenklichkeit und Heiterkeit, zwischen Frechem und Weihnachtlichem bot Gisela Steineckert. Recht ernst und erhaben kam ihre Nacherzählung der Heiligabendgeschichte um die Jungfrau Maria, Jesus und Maria Magdalena daher. Gewürzt mit feministisch determinierten Fragestellungen nach der Rolle der Mutter (Maria) und der möglichen Ehefrau (Maria Magdalena).

Es tat dem Abend aber gut, dass Gisela Steineckert ihr Publikum nicht nur mit ernsten Themen konfrontierte - sie erspürte im Dialog mit ihm, wie die Stimmung im Saal war. Witzig und unterhaltsam strickte sie zum Beispiel eine amüsante Adventsgeschichte um die Frage "Wer braucht eigentlich Weihnachten?" Denn eigentlich nerve so vieles: Immer Gans zum Essen, das Lametta sei inzwischen als giftig eingestuft worden und "ein Geschenk geht immer daneben". Doch spätestens wenn sich die erwachsenen Enkel wünschen, dass alles so sein müsse wie früher, stehe fest: "Weihnachten kann man nicht abschaffen!"

Mehr als anderthalb Stunden sprach Gisela Steineckert frei - professionell, ohne dass die Professionalität zur Routine wurde. Dank der gelungenen Mischung und der Tatsache, dass sie auf den erhobenen Zeigefinger und DDR-Nostalgie verzichtete, wurde es ein kurzweiliger Abend. Nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen pointierten Sprüche. Eine der besten: "An die wahre Liebe glaube ich erst, wenn eine junge, schöne und reiche Wessi-Frau einen armen Ossi-Rentner heiratet."

Thüringer Allgemeine, 24. Juni 2002:

Premiere: Alles drehte sich um die Marlitt

ARNSTADT (mth). Am Freitag Abend füllten sich die Räume des Stadtgeschichtsmuseums mit Gästen, die der Eröffnung einer Ausstellung über Arnstadts bedeutendste Schriftstellerin beiwohnen wollten.

Die anschließende Lesung mit Gisela Steineckert geriet wegen der Bekanntgabe mehrerer verschiedener Anfangstermine in Turbulenzen und litt nicht nur durch die anhaltende Unruhe. Bemerkenswert die Geduld von Frau Steineckert, die offensichtlich versuchte, den Abend mit Humor zu retten. Manch anderer Kollege der schreibenden Zunft hätte der Sache wahrscheinlich ein schnelles Ende bereitet und das Podium verlassen. So allerdings bekam der ausharrende und ob der Temperaturen in den Museumsräumen mehr oder minder erhitzte Zuhörer einige Kostproben zum Thema Leben und Liebe im Allgemeinen und Frauen und Männer im Besonderen in der typischen Steineckertschen Art zu Gehör. Zu ernst sollte es nicht werden und so wurde folgerichtig auch viel gelacht. Über den tiefen Sinn mochte jeder für sich selbst nachdenken. Handsignierte Bücher der Autorin erlebten rege Nachfrage.

Den Organisatoren sei dieses Mal der Wermutstropfen eingeschenkt, den Abend nicht gründlich genug vorbereitet zu haben. Die Räumlichkeiten für den Anlass ungeeignet, weil zu klein und zu schlecht temperiert und die Bekanntgabe der Termine schlicht weg chaotisch. (...)

(gekürzt)

Mitteldeutsche Zeitung, 18. Februar 2002:

"Und dennoch geht es uns gut"

Hörer charmant in Schranken gewiesen

Matinee mit Gisela Steineckert auf Schloss Hohenerxleben

PressefotoHohenerxleben/ MZ. Beifall mag sie nicht besonders. Als ihr das Händeklatschen einmal zu viel wurde, wehrte sie ab und gab zu bedenken: "Das nimmt uns nur wertvolle Zeit weg!" Die Frau, die ihr Publikum auf diese so liebenswerte Art und Weise am Wochenende im Weißen Saal auf Schloss Hohenerxleben in die Schranken wies, war Gisela Steineckert. Das Ensemble Theatrum hatte die bekannte Schriftstellerin und Lyrikerin zu einer Matinee unter dem Motto "Und dennoch geht es uns gut" eingeladen, entlehnt dem Titel eines ihrer zahlreichen Bücher.

Im Gespräch mit der Liedermacherin Ina Friebe vom Ensemble kamen Fakten aus Leben und Werk zur Sprache, die den lieben Gast noch sympathischer machten. Im Mittelpunkt standen vor allem die Lieder der Gisela Steineckert, getextet für unzählige Interpreten. "Inzwischen habe ich 2 800 veröffentlicht", meinte sie an einer Stelle. Jene, die im Papierkorb gelandet sind, habe sie natürlich nicht gezählt.

Harmonisch eingefügt hatten sich diese Lieder mit Gesang und Gitarre auch in das etwa 90 Minuten währende Gespräch. Gleich zu Beginn ließen Ina Friebe und Kerstin Wentzek zum Beispiel jenes vom "einfachen Frieden" erklingen, der "seit Tausenden von Jahren ein beschwerlich Ding" sei. Übrigens führte dieses Lied zu der schon lange währenden Freundschaft zwischen Gisela Steineckert und Ina Friebe. Die so genannte große Politik stand ebenso im Mittelpunkt des lockeren, ja mitunter von Schmunzeln und herzhaftem Lachen unterbrochenen Dialogs. Die Forderung, "bedingungslose Solidarität" zu üben, wirke erschreckend, meinte die Lyrikerin. Schaffensprozess und Kommerz charakterisierte sie mit den Worten: "Lieder sind für mich etwas Heiliges". Mit anderen Worten: keine Geschäftemacherei. Natürlich interessierte Gesprächspartnerin und Publikum, welche Hoffnungen Gisela Steineckert habe.

Die Gefragte antwortete unter anderem, dass sich der "überzogene Lebensstandard" umkehre oder dass "Freundschaft und Ruhe wieder mehr gelten" mögen. Viel bedeute ihr die Liebe. Sie fügte poetisch hinzu: "Ich glaube an die Fähigkeit zu lieben. Ich habe sie selbst erlebt, also muss es sie doch geben."

Am Ende sparte das Publikum aber wirklich nicht mit Beifall für Gisela Steineckert, auch nicht für die herzlichen Abschiedsworte: "Tschüss. Danke. Schön war''s!" Danach ging sie in einen Nebenraum und signierte ihre Bücher, von denen nun viele neue Besitzer haben.

(Herbert Scholz)

Märkische Oderzeitung, 22. April 2001:

Frauen, Liebe und ein klein wenig Politik

Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Wenn sie kommt, dann sind die Plätze ausverkauft - und ins Eggersdorfer Kulturhaus kam Gisela Steineckert zudem nicht allein. Die Schauspielerin und Sängerin Angelika Neutschel sowie den Pianisten und Komponisten Manfred Schmitz hat sich die Schriftstellerin, die Anfang Mai 70 wird, mitgebracht. Um über „Das Schöne an den Frauen" zu erzählen. Kurzweilig und bissig, zwerchfellkitzelnd und scharfzüngig, so wie man es von einer der Großen der ostdeutschen Autorenszene nun einmal gewöhnt ist.

Manche der Gedichte sind vertont worden, gewinnen im Gesang der um einiges jüngeren Angelika Neutschel, mitreißend auf dem Klavier begleitet, noch eine ganz andere Eindringlichkeit. Um Liebe ging es, die bekanntlich schönste Sache der Welt, um das Verhältnis Frau und Mann in unterschiedlichsten Lebensbereichen. „Lass uns beide fallen, zwei warme Steine bis zum Grund, wo nur die Träume sich noch berühren…" Oder Bukarest in den 60ern, „lange vor Ceaucescu, damals, ehe sich der Boden auftat und auch Freunde verschlang". Da begegnete sie einem, „und der damals meinige Herr am See wurde bissig, griff sich eine lange Dame" - eine bunte Mischung aus menschlichem Miteinander und großer Politik.

Ja, von der kann sie ihre Finger, vielmehr ihren Stift nicht lassen. Also schleicht sich auch der Palast der Republik ein in das Programm über die Frauen, jenes Gebäudegerippe im Herzen Berlins, das einst Kulturstätte auch für den kleinen Mann auf der Straße war. Abgewickelt, abgewrackt, „als gäbe es nicht im Westen auch Bausünden, ICC geheißen, asbestbelastet und abweisend hässlich."

Nicht immer ist es die ganz große Liebe, wenn Frauen und Männer aus Ost und West zusammentreffen: „An die glaube ich erst, wenn sich ein schönes, reiches Wessi- Mädchen in einen armen, alten Ossi-Rentner verliebt." Wo bleiben die Frauen, wenn „Brüder zur Sonne, zur Freiheit" streben? Selbst die „Ossinen" waren ja nicht gleichberechtigt: „Oder gab es etwa bei uns ein Ampelfrauchen?" Thematischer Sprung zu Peter Edel, dessen Name vom Kulturhaus Weißensee getilgt werden soll, und zu Clara Zetkin, die schon aus Berlins Mitte getilgt wurde. Dann wieder ein Gedicht über Frauen und das Altern, bezogen auf Steineckert selbst und ihre 94-jährige Mutter. Und am Ende ein wahrhaft tosender Applaus für ein außergewöhnliches Trio im perfekten Zusammenspiel.

Märkische Oderzeitung, 7. Februar 2001:

Gisela Steineckert zu Gast in der Ehm Welk- Buchhandlung

Angermünde (MOZ) - Die Schriftstellerin Giesela Steineckert ist in Angermünde längst keine Unbekannte mehr. „Die persönliche Freundschaft mit der Familie Schmook, die Freude an der Art, wie in ihrer Buchhandlung Bücher verkauft werden und das Wissen darum, dass ich hier ein Stammpublikum habe, führen mich immer wieder hierher" begründete dies die Autorin.

Auch zur Lesung am 6. Februar waren wieder etwa 50 Zuhörer in die Buchhandlung in der Rosenstraße gekommen. Steineckert, die bislang 34 Bücher sowie mehr als 2500 Lied- und Schlagertexte geschrieben hat, stellte Texte zum alten und immer wieder jungen Thema Liebe vor. Alle Facetten kamen zur Sprache. Die Reize der Annäherung von Menschen, die Freuden der Zweisamkeit, die Verletzungen durch Gleichgültigkeit, aber auch der Einfluss, den die Gesellschaft und die Politik auf die Liebe haben können. Und bei der anschließenden Signierstunde gab es natürlich Gelegenheit zu manchem persönlichen Gespräch mit der Autorin. Hier ließ sich manches kleine Geheimnis besser bereden, als vor großem Publikum.

Lausitzer Rundschau, 15. Dezember 1999:

Über Leben, Ängste und auch Hoffnungen

Lesung mit Gisela Steineckert im „Kieselstein"

Krimnitz (ms). Schon zum dritten Mal war sie zu Gast im "Kieselstein". Gisela Steineckert - unzählige Gedichte, Liedtexte und Erzählungen stammen aus ihrer Feder. „Ich freue mich, wieder hier zu sein", so begrüßte sie die zahlreich erschienenen Gäste am vergangenen Adventsonntag.

Und schon ist sie mittendrin im Erzählen. Von ihren Projekten in diesem schon fast vergangenen Jahr, von den vielen Lesungen, die sie quer durch das Land führten. Von ihrem neuen Buch „Das Schöne an den Frauen", aus dem sie lesen wird, das gerade erschienen, schon vergriffen und die zweite Auflage im Druck ist. Ein erfolgreiches Jahr also, auch für sie nicht selbstverständlich. Vor zehn Jahren konnte sie wie viele andere nicht voraussehen, wohin ihr Weg führt. Wenn sich auch vieles verändert hat, sie ist sich treu geblieben. „Ich bleibe eine Linke" ist ein Zitat aus ihrem Buch.

Kein leichter Weg

Es ist nicht der leichte Weg, den sie wählt, aber für sie der einzige gangbare. Sie ist coura­giert und ehrlich. Während sie zu den Zuhörerinnen und Zu­hörern (die leider wieder in der Minderheit waren) spricht, sieht sie in die Gesichter, lässt sie teilhaben an ihren Ängsten und Hoffnungen, gibt von ihrem Leben preis und ihren Erfahrun­gen. "Der Weihnachtsmann kommt übers Meer..." und es beginnt eine Geschichte, die nicht unbedingt von Engeln und der Krippe erzählt, es geht ihr um das Leben, das einfache und schwere, um Gerechtigkeit und Frieden. Sie weiß von Mauern, die uns nicht mehr von Mallor­ca, aber von den Freunden, Nachbarn und manchmal auch von der Familie trennen.

Was kann das Wort?

Sie schlägt Bögen von der fehlenden Kaufkraft hier im Osten zu den Gewerkschaften, von Krieg und Bomben, gelenkt von der großen Politik zu der Frage: Was kann das Wort denn noch bewirken? ihre Worte schwingen nach in den Sekunden, Pausen, eine Stille, die Gewicht verleiht. Und zwischendrin wird die Gedankenversunkenheit gespickt mit Witz und Ironie, von der Geschichte des Pantoffelhelden, zum Beispiel.

Darüber konnten die Frauen, weniger, die beiden Herren, natürlich gut lachen. Aber auch die Ehedialoge aus der Stein­eckertschen Feder sind bestens zur Unterhaltung geeignet. Erst recht, wenn sie selbst den Dialog als Solist vorträgt! Diese Mimik und Gestik ist einfach umwerfend. Die thüringischen und bayrischen Dialekte der lieben Verwandtschaft, der sie ihre Stimme leiht, sind köstlich anzuhören. Dann ein Weihnachtsgruß der Steineckertschen Art: "Möge niemand - außer zur Gans - in die Röhre gucken."

Bücher werden signiert, Worte gewechselt und das Versprechen gegeben, im nächsten Advent wiederzukommen.

Ostsee-Zeitung, 21. Oktober 1999:

Frauen sind einfach besser

Gisela Steineckerts Buch ist ein Plädoyer für das Weibliche

PressefotoRostock(OZ) „Rostock ist wunderschön, herrlich!" Auf derart originelle Weise warb Gisela Steineckert bei ihrer Lesung am Dienstag in der Rostocker Universitätsbuchhandlung Weiland um die Zuneigung des zahlreich erschienenen, meist weiblichen Publikums.

Völlig unnötig. Sie ist im Osten nach wie vor eine der populärsten Schriftstellerinnen. Ein Grund: Die inzwischen 68-Jährige kennt keine Krise. Zehn Bücher veröffentlichte sie allein nach 1990. Zudem mischt sie sich in fast alle Themen ein, die die mediale Öffentlichkeit anbietet. Und ihre Meinungen sind gefragt. Um so mehr wird es ein großer Teil ihrer Leserinnen bedauert haben, dass die Autorin das übliche und angekündigte Gespräch nach der Lesung routiniert abblockte.

Thema des Abends war ihr neues Buch „Das Schöne an den Frauen". Zum allgemeinen Vergnügen las Steineckert nicht nur. Sie improvisierte aus dem Stegreif, entlang ihrer Texte, über die kleinen und größeren Missverständnisse zwischen Männern und Frauen. Auf diese Weise hielt die Autorin den direkten Kontakt zum Publikum. Dass sie sich zeitweise verplauderte, wurde vom Komischen der alltäglichen Beziehungsgeschichten überdeckt. Frau kennt das ja: die männliche Überschätzung des Berufs, die Neigung, sich wie wehleidige Kinder aufzuführen, die Verständnislosigkeit gegenüber dem Nachwuchs...

Radikal feministisch ist Steineckerts Kritik jedoch nicht. Sie ist nachsichtig gegenüber den sogenannten kleinen menschlichen Schwächen. Deshalb verprellt sie auch Frauchen nicht, wenn sie deren Selbsttäuschungen ironisch schildert. Es ist eine Mischung aus Milde im Grundsätzlichen und Scharfzüngigkeit im Detail, die die Wirkung der Texte ausmachen. Die Autorin bietet auf diese Weise Verständnis an. Sie weiß, dass viele sich danach sehnen. „Eine Frau ist ein ewiges Wunder oder eine ewige Wunde", hieß es - folgenlos. Steineckert milderte in ihrem Vortrag, was bei der Lektüre härter klingt. „Für diesen ganz normalen Mann würde ich auf die Barrikaden gehen - wenn die Unterdrückung durch ihn und seinesgleichen beseitigt wäre." Dem angedeuteten Konflikt nachzugehen, ist ihre Sache nicht. Sie plädiert für Solidarität unter Frauen, nicht für den Kampf gegen die Männer. Wenn das auf den ersten Blick vernünftig aussieht, enthüllt der zweite ein idealisiertes Frauenbild. Mehrfach beschwor die Autorin „das Zusammenhalten der Frauen". Doch auf welcher Grundlage? Ist das ein Grundzug weiblichen Verhaltens? Oder wünschenswerte Strategie in einer männlich beherrschten Gesellschaft?

Wie auch immer. Dahinter steckt der Glaube an die Frauen als die besseren Menschen. Die vorgelesene „Frau Holle"-Variation legte diesen Gedanken nahe. Dass die faule Pechmarie ihre Strafe bekommt, erscheint der Autorin weniger als Ausdruck einer Kultur männlicher Aggression. Sie hält es eher für weibliches Mobbing der Frau Holle. Warum es so etwas gibt, blieb unklar. Dabei hält Steineckert den Schlüssel für die Erklärung in der Hand. Seit 30 Jahren zitiert sie immer wieder Brecht: „Liebe ist eine Produktion". Das gilt für menschliches - männliches und weibliches - Verhalten ebenso. Wie zu lernen war, bestimmen Pm und Pv die Pw (Produktionsmittel + Produktionsverhältnisse > Produktionsweise). Nicht nur, aber im Wesentlichen. Spätestens seit der Wende ist das überprüfbar.

Wenn Gisela Steineckert „das Schöne" am Wesen des (ostdeutschen) Weibes darin sieht, dass es in allem, was es tut „ganz oder gar nichts" ist, klingt das zu sehr nach „Instinkt". Es klingt nach wenig entfalteter Reflexion, nach eingeschränkter Toleranz- und Kompromiss-Fähigkeit. Solche sprichwörtlichen Tugenden von Frauen gehören demnach ins Reich der Legenden.

Ist das nicht eigentlich irgendwie schade?

(Wolfgang Gabler)

Ostthüringer Zeitung, 22. März 1999:

Nicht nur ein Programm für Frauen

Schriftstellerin Gisela Steineckert am Sonnabend zu Gast in Schleiz

Schleiz (OTZ/Zeh). "Das Jahr steigt auf" nannte die bekannte Berliner Schriftstellerin Gisela Steineckert das Programm, mit dem sie am Sonnabend nachmittag in Schleiz zu Gast war. Vorrangig Frauen fühlten sich angesprochen, dennoch wurden auch vereinzelt Männer im Publikum gesichtet. Nicht "nur" eine Schriftstellerlesung erwartete die etwa 40 Zuhörer, sondern ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm, das mit musikalischen Klängen und Gesang von Angelika Neutschel ein harmonisches Ganzes bildete.

Gisela Steineckert verstand es ohne Zweifel, mit kraftvoller, bedächtiger Stimme und hintergründigem Witz, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Mit ironischen und teils schnoddrigen Wortspielen brachte sie die Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln, ohne eine Spur von Oberflächlichkeit. Die Schriftstellerin wirkte glaubhaft und es war zu spüren, wie sensibel sie ihre Umgebung wahrnimmt, wie sie selbst in sich hineinhorcht und das Gestern und Heute registriert.

Da ist die Rede von einem Freund aus alten Tagen, und wie sich die Freundschaft auch heute, nach der Wende behauptet, nur eben mit anderen Problemen. Da wird erzählt von den. Nachbarn im Mietshaus, von denen keiner grüßt, sondern jeder nur guckt. Früher gab man sich die Hand oder vertraute dem anderen schon mal den Wohnungsschlüssel an, wenn sich Handwerker angemeldet hatten.

Kleine Probleme im Alltag, von Gisela Steineckert auf die Schippe genommen ohne Sentimentalität, aber mit umso mehr Ironie und dem versteckten Appell, dass die Zwischenmenschlichkeit und das Verständnis der Menschen füreinander in der Gesellschaft nicht ganz verloren gehen. Passend dazu, ironisch und gestenreich, aber dennoch eindrucksvoll, sang dann auch Angelika Neutschel "Jeder macht Seins".

Momente der Besinnung, des In-Sich-Hinein-Horchens oder um einfach nur die Gedanken schweifen zulassen, boten sich den Zuhörern bei einem Instrumentalstück von Volker Greve am Piano und Clemens Arndt auf der Klarinette sowie am Saxophon.

Am Ende der Veranstaltung, zu der die Initiative "Frauen am runden Tisch", unterstützt von den Gleichstellungsbeauftragten des Landes und des Kreises sowie vom Gewerkschaftsbund, eingeladen hatten, gab es für die vier Künstler Blumen und vom Publikum viel Applaus.